Mit Spekulationsgewinnen rechnen

Die Jahresbescheinigung erfasst erstmals Verkäufe von Wertpapieren. Ob die Steuerpflicht greift, weil die Papiere binnen eines Jahres wieder verkauft wurden, müssen Anleger selbst prüfen. Wie viel zu versteuern ist, sagt die Jahresbescheinigung nicht aus. Das müssen sie für die Anlage SO ermitteln:

Verkaufspreis
- Kaufpreis
- Ankaufs-/Verkaufskosten (Werbungskosten)
= Spekulationsgewinn

Mehr Aufwand macht es, wenn Depotinhaber über einen längeren Zeitraum dieselbe Aktie oder dieselben Fondsanteile öfter nachgekauft haben. In diesem Fall gilt: Die Aktien, die zuerst gekauft wurden, sind auch stets die zuerst verkauften (Englisch: First in – first out).

Abrechnung nach „First in – first out“

Ein Anleger hatte zum Anfang des Jahres 2004 100 Z-Aktien und kaufte noch weitere hinzu. Am 15. Januar 2005 verkaufte er 150 Z-Aktien. So prüft er, welche Kursgewinne steuerpflichtig sind:

Depotbestand am 1. Jan. 04: 100 Z-Aktien
Kauf am 28. Febr. 04: 40 Z-Aktien à 90 Euro
Kauf am 1. Juni 04: 30 Z-Aktien à 100 Euro
Kauf am 1. Nov. 04: 30 Z-Aktien à 110 Euro
Verkauf 15. Jan. 05: 150 Z-Aktien á 150 Euro

Als zuerst verkauft zählt der Bestand vom ­Januar 2004 mit 100 Z-Aktien. Weil dieser Kauf seit dem Verkauf im Januar 2005 länger als ein Jahr her ist, greift keine Steuerpflicht. Die restlichen 50 Aktien gelten aus den Käufen vom 28. Februar 04 und 1. Juni 04 als verkauft. Weil hier die Spekulationsfrist nicht vorbei ist, ist der Gewinn zu versteuern. So errechnet sich der steuerpflichtige Gewinn:

Verkaufserlös am 15. Jan. 05 50 × 150 Euro: 7 500 Euro
– Anschaffungskosten 40 × 90 Euro (28. Febr. 04)
+ 10 × 100 Euro (1. Juni 04): 4 600 Euro
Veräußerungsgewinn: 2 900 Euro
Davon steuerpflichtig: 1 450 Euro

Der Anleger muss nur die Hälfte des Gewinns versteuern, weil für Aktien das Halbeinkünfteverfahren gilt. Hätte er Fonds verkauft, könnte er den Gewinn nicht halbieren.

Tipp: Hätte der Aktionär im Januar nur 100 Z-Aktien verkauft, müsste er gar nichts versteuern. Leer ginge auch das Finanzamt aus, wenn sein Gewinn insgesamt im Jahr die Freigrenze von 512 Euro nicht erreicht.

Hätte der Spekulant die Z-Papiere bereits 2004 verkauft, könnte er noch alternativ den Gewinn mit dem durchschnittlichen Wert aller Aktien, die in die Spekulationsfrist fallen, ermitteln. In dem Beispiel wäre das günstiger. Er müsste nur 1 275 Euro versteuern.

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