Isolierflaschen Test

Fast jede dritte Isolierflasche im Test ist mit Schadstoffen belastet und deshalb „mangelhaft“. Bei einer weiteren versagte der Verschluss. Die beste Edelstahlflasche kommt von Thermos, der Marke des Erfinders.

Hält kalt, hält heiß – ohne Feuer, ohne Eis. Gepriesen sei die Thermosflasche.“ Der brandenburgische Erfinder Reinhold Burger war auch sein eigener Werbetexter. 1903 hatte er das doppelwandige Glasgefäß patentieren und ein Jahr später den Namen Thermos als Warenzeichen schützen lassen. Doch der findige Tüftler war wohl nicht zum Unternehmer geboren. Schon 1909 verkaufte er sowohl das Patent als auch die Marke an die eigens gegründete Berliner Thermos AG sowie nach Amerika, Kanada und England. Auch heute ist die Marke des Erfinders führend, wie unser Test zeigt, allerdings kommen die Produkte nicht mehr aus Deutschland. Produziert werden Edelstahl-Isolierflaschen nun überwiegend in Asien, die meisten in China.

Ein Vakuum zwischen zwei Wänden

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Isolierflaschen sollen Kaffee oder Tee warm halten, sie sollen dicht schließen und einfach zu handhaben sein. Bei der Funktionsprüfung ging es hauptsächlich um das Warmhaltevermögen. Obwohl alle Flaschen nach dem gleichen Prinzip funktionieren – ein Vakuum zwischen zwei Edelstahlwänden bietet eine hohe Isolation – gibt es deutliche Unterschiede. So ist das in die vorge­wärmte Flasche eingefüllte kochend heiße Wasser nach sechs Stunden in den besten Fällen noch 88 Grad warm, in den schlechtesten nur knapp 74 Grad. Die Norm verlangt 78 Grad Celsius.

Schadstoffe in Verschlüssen, Bechern

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Ganz ohne Plastik kommen die Edelstahl-Isolierflaschen nicht aus. Die Verschlüsse und Teile der Trinkbecher bestehen bei allen aus Kunststoff. Und so stießen wir auch hier wieder auf ein Problem, das uns zuletzt bei Kinderlaufrädern begegnete (siehe Test Kinderlaufräder aus test 07/2008): Wir fanden Schadstoffe, vor allem polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), in den Verschlüssen und Bechern. PAK können krebserzeugend, fruchtschädigend und erb­gutverändernd wirken. Bei fünf Modellen waren die Werte so hoch, dass wir auf „mangelhaft“ abgewertet haben. Im Gegensatz zu anderen Tests, bei denen PAK über Hautkontakt in den Körper gelangen kann, kommt hier hinzu, dass der belastete Kunststoff mit Lebensmitteln in Berührung kommt. Dass es auch besser geht, zeigen immerhin sieben Anbieter in diesem Test.

Heiße Brühe und fünfmaliger Sturz

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Schon eine Roststelle im Edelstahl kann das Vakuum und damit die Isolation zunichte machen. Wir haben die Korrosionsbeständigkeit der Flaschen sowohl mit einer heißen Salzwasserlösung als auch mit einer Instantbrühe geprüft. Während das Salz dem Edelstahl zugesetzt hat und mitunter zu Roststellen führte, haben fast alle Edelstahlflaschen die Brühe problemlos vertragen. Da in der Praxis, wenn überhaupt, nur leicht gesalzene Flüssigkeiten eingefüllt werden, haben wir hier milde geurteilt.

Anders sieht es mit der Bruchfestigkeitsprüfung aus. Beim Wandern und Campen sollten die Flaschen einiges aushalten können. Und das tun sie oft auch. So war bei allen das Vakuum nach der Fallprüfung intakt. Auch wenn fast alle Flaschen nach dem fünfmaligen Sturz ramponiert aussahen, konnte man die meisten noch gebrauchen. Bei vier Modellen war der Verschluss allerdings stark lädiert.

Schrauben oder lieber klicken

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Verschlusssache: Isolierflaschen werden mit einem klassischen Schraub­­verschluss (oben links), mit Drucktaste (oben rechts) oder mit verschiedenen Klick­verschlüssen (unten) angeboten. Viele Druck- und Klickverschlüsse schließen selbsttätig, wenn der Becher aufgeschraubt wird.

Verschlusssache: Isolierflaschen werden mit einem klassischen Schraub­­verschluss (oben links), mit Drucktaste (oben rechts) oder mit verschiedenen Klick­verschlüssen (unten) angeboten. Viele Druck- und Klickverschlüsse schließen selbsttätig, wenn der Becher aufgeschraubt wird.

Der Verschluss ist die Achillesverse der Isolierflaschen. Zum einen entweicht hier die meiste Wärme, zum anderen gibt es große Unterschiede bei der Handhabung. Undicht wurde aber nur eine: Die ansonsten recht gute Flasche von Sigg hat die Dichtigkeitsprüfung nach Norm nicht bestanden und wurde deshalb abgewertet. In der Handhabung gefielen unseren Testern die Klickverschlüsse von Thermos und Alfi am besten. Beide haben einen Automatikverschluss, das heißt, sie schließen automa­tisch, wenn der Becher aufgeschraubt wird. Allerdings wird der Trinkbecher bei Alfi so heiß, dass man ihn nicht mehr in der Hand halten kann. Auch die Becher von Stanley, Northland und Campingaz erwärmen sich sehr stark. Für Heißgetränke sind sie deshalb kaum zu gebrauchen.

Spülmaschine oder Handabwasch

Als spülmaschinentauglich sind nur drei der getesteten Edelstahlflaschen gekennzeichnet. Diese und vier weitere, bei denen der Anbieter diese Reinigung nicht explizit ausschließt, haben wir auf die Spülmaschinentauglichkeit geprüft. Mit unterschiedlichem Ergebnis. Uneingeschränkt geeignet sind dafür nur die Isolierflaschen von Woolworth und Alfi. Alle anderen sollte man lieber von Hand reinigen (siehe Tipps). Allerdings machen die ansonsten praktischen Druck- und Klickverschlüsse bei der Reinigung wesentlich mehr Arbeit als die einfachen Schraubverschlüsse.

Eine Glas- und eine Plastikflasche

Die preiswerte Glasflasche, die wir exemplarisch geprüft haben, kann die Temperatur genau so lange halten wie die besten Edelstahlflaschen. Was nicht verwundert, denn die Flasche ist ähnlich konstruiert und Glas zudem ein schlechterer Wärmeleiter als Stahl. Die zweite Besonderheit im Test, eine mit PU-Schaum isolierende Flasche, die für kalte und warme Getränke ausgelobt wird, kann da nicht mithalten. Das Wasser war nach sechs Stunden auf unter 60 Grad abgekühlt. Dafür ist die Schaumstoffflasche im Gegensatz zur fragilen Glasflasche absolut robust.

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