Investment­steuerreform 2018 Meldung

Wohin mit dem Geld? Große Alt-Vermögen werden künftig ­steuer­pflichtig.

Erträge von vor 2009 gekauften Fonds sind ab 2018 nicht mehr steuerfrei. Manche Experten raten Vermögenden daher, noch schnell Altanteile steuerfrei an Verwandte zu verschenken, um so mehrere Frei­beträge einzuheimsen. Doch Anteile zu verschenken ist kompliziert und rettet nicht immer vor der Steuer. test.de erklärt, worauf Anleger achten müssen und warum sie nicht vorschnell handeln sollten.

Was sich ändert

Das Versprechen galt nur zehn Jahre: Von der 2009 einge­führten Abgeltung­steuer sollten all jene verschont bleiben, die ihr Leben lang investiert und gespart hatten. Alle Bestände bis 2009 sollten daher auch in Zukunft steuerfrei bleiben. Doch ab 2018 sind auch diese Fonds­anteile steuer­pflichtig. Der versprochene Bestands­schutz für die Altbestände fällt weg und die Anleger müssen ihre Erträge versteuern. Allerdings nicht ab dem ersten Euro: Es gibt künftig einen Frei­betrag von 100 000 Euro. Der gilt pro Anleger für alle Altanteile, die er insgesamt hält. Die Erträge aus der Vergangenheit fallen dabei unter den Tisch: Gerechnet wird ab ­Januar 2018, so dass für die meisten erst in ferner Zukunft Steuer anfällt.

Wen das betrifft

Betroffen sind nur große Vermögen. Bei einer jähr­lichen Rendite von 6 Prozent hat zum Beispiel ein Anleger mit 50 000 Euro fast zwanzig Jahre lang nichts zu befürchten. Erst bei sehr großen Vermögen greift die Steuer: Wer heute etwa 500 000 Euro an Alt­beständen besitzt, müsste in weniger als vier Jahren Steuern zahlen, eine Rendite von 6 Prozent voraus­gesetzt. Hinzu kommt der Sparerpausch­betrag von 801 Euro pro Jahr, bis zu dem Kapital­erträge steuerfrei bleiben. Der wird in Zukunft natürlich schneller ausgeschöpft sein als heute.

Richtig schenken

Ein häufiger Tipp für Anleger lautet: Verschenken Sie Ihre Altanteile recht­zeitig an Verwandte. Bei Depot­über­tragung auf die Kinder wird nämlich auch die Steuerfreiheit der Altbestände mitverschenkt. Wer 2017 noch Altanteile auf seine Kinder über­trägt, kann also mehrere Frei­beträge von jeweils 100 000 Euro einheimsen, so die Logik. Doch sein Vermögen zu verschenken, dürfte nur im Einzel­fall sinn­voll sein. Denn: Geschenkt ist geschenkt – das Geld gehört fortan den Kindern. Wer heimlich vorhat, sich das Geld irgend­wann zurück­zuholen, weil er es gar nicht ernst­haft verschenken wollte, wird das Finanz­amt auf sich aufmerk­sam machen. Dann droht mindestens eine große Steuer­nach­zahlung. Am besten lässt sich eine ehrliche Schenkung mit einem Schenkungs­vertrag belegen.

Depot über­prüfen

Auch wenn Sie sich gegen eine Schenkung entscheiden, kann die kommende Steuerreform dennoch ein guter Anlass sein, im Depot aufzuräumen. Es kann sich lohnen, teure und schlecht laufende Fonds gegen vergleich­bare, aber güns­tigere und besser bewertete zu tauschen – unter Umständen lohnt sich das mehr als Steuer­vermeidung.

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