Investmentfonds Meldung

Walter Klein investierte in Aktienfonds und fiel riskanten Spekulationen von Fondsmanagern zum Opfer.

Mit Aktienfonds von Ampega Gerling und einem Geldmarktfonds der SEB haben Anleger mehr verloren als ein Durchschnitts­aktionär. Sie gehen jetzt anders mit Fonds um.

Wenn Walter Klein aus dem nordrhein-westfälischen Hürth auf seine Fondsinvestments zu sprechen kommt, packt ihn der Zorn: „Die Wertentwicklung in den letzten Jahren ist eine Katastrophe.“ Das gilt vor allem für den Fonds Gerling Deutschland Aktien (Isin DE0008481128), den Klein bereits seit 1994 im Depot hat.

Der Fonds ist heute weniger wert als vor rund 15 Jahren. Das liegt gewiss nicht an der allgemeinen Marktentwicklung, denn im gleichen Zeitraum hat sich der Wert des deutschen Aktienindex Dax trotz zwischenzeitlicher Krisen fast verdreifacht.

Die Manager des Gerling-Fonds haben sich im Jahr 2008 mit hochriskanten Wertpapiergeschäften, sogenannten Optionen, verspekuliert. Dabei sollen Investmentfonds die großen Schwankungen von Einzelaktien abfedern und nicht vergrößern.

Im Oktober 2008 verlor der Fonds in nur wenigen Tagen über 60 Prozent seines Wertes. Für das gesamte Jahr 2008 stand am Ende sogar ein Minus von rund 75 Prozent.

Für den 74-jährigen Walter Klein ist der Niedergang des Fonds besonders schmerzlich, weil er selbst viele Jahre beim Gerling-Konzern als Revisor gearbeitet und dem Management des Fonds blind vertraut hat.

Die Fondsgesellschaft Ampega Gerling rechtfertigt sich in einer Antwort auf sein Beschwerdeschreiben damit, dass ihre ­Strategie durch die „nicht vorhersehbare“ Marktentwicklung durchkreuzt wurde.

Das stellt Klein nicht zufrieden: „Es kann nicht hingenommen werden, dass Fondsmanager treuhänderisch verwaltete Anlegergelder für Strategieexperimente missbrauchen.“

Kontrolle ist besser

Einen ähnlichen Reinfall erlebten Anleger mit einem anderen Fonds derselben Gesellschaft, dem weltweit anlegenden Gerling Dynamik P (Isin DE 000 848 104 5). Auch er ist im Oktober 2008 abgestürzt und hat über die vergangenen fünf Jahre gerechnet durchschnittlich 9,5 Prozent pro Jahr eingebüßt. Der Vergleichsindex MSCI Welt gewann im selben Zeitraum durchschnittlich 0,7 Prozent pro Jahr.

In Zukunft soll ein Einbruch wie im Herbst 2008 nach Auskunft von Ampega Gerling ausgeschlossen sein. Ihre Fonds seien nun „durch die marktneutrale Ausrichtung (...) eng an die Entwicklung der jeweiligen Börsenindizes angelehnt“.

Was aber können Anleger tun, um Reinfälle zu vermeiden, wenn sie Fondsmanagern nicht mehr blind vertrauen wollen? Auf jeden Fall sollten sie die Entwicklung ihrer Fonds regelmäßig verfolgen.

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Gegen den plötzlichen Absturz der beiden Gerling-Fonds war zwar kein Kraut gewachsen, aber aktive Anleger hätten sich wohl schon vor Jahren aufgrund der mäßigen Entwicklung von ihnen getrennt. In ­unserem monatlichen Fondstest waren sie stets weit abgeschlagen von der Spitze dahingedümpelt.

Bei manchen Fonds ist das Absturzrisiko von vornherein groß. Das gilt besonders für Branchenfonds, auch wenn sie von Finanzberatern sogar für die Altersvorsorge empfohlen wurden. Egal ob Internet, Biotechnologie, Klimaschutz oder Rohstoffe  – in all diesen Branchen gab es schon einmal ­extreme Verluste in kurzer Zeit.

Manchmal verrät schon der Blick auf den Fondsnamen ein heißes Eisen. So verlor der europaweit anlegende Fidelity European Aggressive (Isin LU 008 329 133 5) im Frühjahr 2008 binnen weniger Monate rund zwei Drittel seines Wertes. Der Fonds hatte damals stark in Rohstoffaktien investiert, was ihm beim Crash der Öl- und Rohstoffpreise zum Verhängnis wurde.

Die Branchen haben gewechselt, aber seinem aggressiven Konzept ist der Fonds treu geblieben, zurzeit mit Finanzaktien.

Zwei Alternativen für Fondsanleger

Anleger haben bei der Fondsauswahl zwei Alternativen: Entweder sie versuchen, den breiten Aktienmarkt zu überbieten, indem sie auf gute, aktiv gemanagte Fonds setzen. Oder sie entscheiden sich für Indexfonds, die stur der Marktentwicklung folgen.

Manchen Fondsmanagern gelingt es, die Indizes regelmäßig zu schlagen, aber Anleger sollten auch auf längere Durststrecken gefasst sein. Wer die Fondsentwicklung ­regelmäßig verfolgt, zieht dann die Notbremse und tauscht schlecht laufende Fonds gegen erfolgversprechendere aus.

Ein aktiver Anleger macht vor gelegentlichen Umschichtungen nicht halt. Unterdurchschnittliche Fonds haben in seinem Depot keinen Platz.

Indexfonds eignen sich für bequeme Anleger, denen die regelmäßige Kontrolle von Fonds zu aufwendig ist. Mit einem Indexfonds auf den deutschen Dax erhält der Anleger nach Abzug geringer Kosten ziemlich genau die Dax-Entwicklung als Rendite. Er vergibt sich mit dieser Wahl aber auch die Chance auf mehr.

Indexfonds für bequeme Anleger

Der größte Vorteil von Indexfonds: Anleger müssen sich keine Gedanken darüber machen, ob das Management konstant gute Arbeit leistet. Es reicht die Überzeugung, dass der Aktienmarkt langfristig steigen wird und dass davon auch der ausgewählte Index profitiert.

Wer auf einen breiten Index wie den globalen MSCI Welt oder den europäischen DJ Stoxx 600 setzt, wird bei einem Börsenboom dabei sein. Aber auch ein Index wie der Dax wird einem breiten Marktaufschwung folgen.

Indexfonds schützen allerdings nicht vor Verlusten. In schlechten Börsenphasen verliert der Anleger auch mit ihnen Geld.

Vor einem plötzlichen Einbruch wie bei den Gerling-Fonds muss er sich aber nicht fürchten. Dass etablierte Indizes innerhalb weniger Tage mehr als die Hälfte ihres Wertes einbüßen, ist extrem umwahrscheinlich. Auch ihre Verluste in Börsencrashs waren schlimm, wurden in der Vergangenheit aber stets wieder aufgeholt.

Anleger, die auf einzelne Länder oder Branchen setzen wollen, sind mit Indexfonds ohnehin gut bedient. Beispiel Japan: Der Index MSCI Japan lief in den vergangenen fünf Jahren besser als alle gemanagten Fonds, die Finanztest im Test hat. Fonds auf diesen Index gibt es von den Gesellschaf­ten iShares (Isin DE 000 A0D PMW 9) und ­ETFlab (Isin DE 000 ETF L30 0).

Vermeintlich sichere Fonds im Minus

Krasse Abstürze in der Krise gab es nicht nur bei Aktienfonds, sondern auch bei Renten- und sogar bei Geldmarktfonds, die nur in Euro-Papiere investieren. Das schien vor der Finanzkrise noch undenkbar. Diese Fonds galten als sehr solide, da sie traditionell vor allem sichere Zinspapiere halten.

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Doch viele Manager hatten riskante Anleihen dazugekauft, um die Rendite aufzupeppen. In der Finanzkrise fielen deren Kurse dramatisch, manche wurden wertlos.

Besonders hart traf es den Geldmarktfonds SEB Money Market (DE 000 976 915 8), der zwischen Juni 2008 und Mai 2009 fast die Hälfte seines Wertes einbüßte. Für Anleger doppelt ärgerlich: Je geduldiger sie in dem Fonds ausharrten, desto stärker wurden sie bestraft (siehe Grafik).

Gerald Heitmeier* hatte im Februar 2003 Fondsanteile zu 58,49 Euro pro Stück als vermeintlich sichere Anlage gekauft. Einen Teil davon hat er noch im August 2007 für 63,13 Euro veräußert. Der nächste Teilverkauf zu 52,91 Euro im Januar 2009 brachte ihm bereits einen schmerzlichen Verlust.

Noch immer liegen 280 Anteile in Heitmeiers Depot. Ende November 2009 waren sie nur noch rund 35 Euro pro Stück wert.

Mit dem horrenden Verlust hat sich die Fondsgesellschaft im Frühjahr 2009 abgefunden, als sie sich von allen zweifelhaften ­Papieren trennte. Für Altanleger wie Heitmeier war diese Zäsur von zweifelhaftem Nutzen. Die Chancen, ihre Einlage je wiederzubekommen, sind gering, da der Fonds nur noch sichere Staatsanleihen, Tages- und Festgeld enthält.

Auf Tagesgeldkonto ausweichen

Nur wenige Geldmarktfonds sind derart dramatisch abgestürzt. Die meisten waren von der Finanzkrise nicht oder nur am Rande betroffen. Wenn es Verluste gab, lagen sie meist unter 5 Prozent. Das ist sehr ärgerlich, aber keine Katastrophe.

Dennoch stellt sich die Frage, warum ­bequeme Anleger ihr Geld überhaupt in solche Fonds stecken sollen. Eine regelmäßige Kontrolle der Investitionen solcher Fonds ist, wenn überhaupt, nur mit großem Aufwand möglich. Und selbst wenn der Fondsmanager alles richtig macht, bleiben am Ende bescheidene Renditen.

So viel können sich Anleger auch sichern, wenn sie ein gutverzinstes Tagesgeldkonto eröffnen. Damit bleiben sie flexibel und sparen die mit Kauf, Lagerung und Verwaltung des Fonds verbundenen Kosten.

Einziger Nachteil: Nicht jedes Tagesgeldkonto reagiert schnell auf Zinserhöhungen. Wenn ein Tagesgeldanbieter im Vergleich zur Konkurrenz zurückfällt, sollten Anleger zu einer attraktiveren Bank wechseln. Das geht kurzfristig und problemlos. Die besten Tagesgeld- und Festgeldkonten stehen jeden Monat in Finanztest.

Wer Kunde einer Bank mit schlechtem Tagesgeldangebot ist und kein Konto bei einer anderen Bank eröffnen will, kann einen Geldmarktfonds mit Indexbezug nehmen. Da so ein Fonds streng der Entwicklung eines Indexes folgt, sind Probleme mit Schrottanleihen ausgeschlossen.

Der iShares eb.rexx Money Market (DE 000 A0Q 4RZ 9) spiegelt die Entwicklung des deutschen Geldmarktes wider, indem er die Kursentwicklung von Staatsanleihen mit kurzer Restlaufzeit nachbildet. Allerdings müssen Anleger für Kauf und Verwaltung Gebühren bezahlen.

Bei Rentenfonds kein Risiko eingehen

Auch bei Rentenfonds können Anleger ­allen Managementrisiken aus dem Weg ­gehen, indem sie auf einen Index setzen.

In unseren Tabellen (Finanztest-Printausgabe, Marktplatz) haben wir den gemanagten Fonds verschiedener Risikogruppen die Indexfonds gegenübergestellt. Die Risiken von Rentenfonds ergeben sich vor allem aus der Restlaufzeit der Papiere, die sie enthalten. Zinspapiere mit langen Laufzeiten bringen höhere Renditechancen, aber auch höhere Kursrisiken. Siehe auch Produktfinder Investmentfonds.

Mit den Indexfonds schützen sich Anleger vor der zusätzlichen Gefahr, dass ein Fondsmanager riskante Anleihen kauft, um die Wertentwicklung des Fonds aufzupeppen. Genau das war die Ursache dafür, dass auch viele Rentenfonds in der ­Finanzkrise unter die Räder kamen.

*Name von der Redaktion geändert.

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