Investmentfonds Meldung

Allein im vergangenen Jahr verschwanden 157 Fonds vom deutschen Markt – das sind mehr als jemals zuvor. Finanztest sagt, wie Anleger sich am besten verhalten.

Das Jahr 2001 war das Jahr der Fondsschließungen. Nach Angaben der Rating-Agentur Feri Trust machten 157 Fonds dicht – Fusionen nicht eingerechnet. Im Jahr 2000 waren es nur 73 Fonds.

Zwar ist die Zahl der Schließungen im Vergleich zur Gesamtzahl der rund
5 000 in Deutschland zugelassenen Fonds bescheiden. Ärgerlich ist der ­Vorgang für den Anleger aber allemal. Denn schließt ein Fonds, erhält er zwar das Geld für den Wert seiner Anteile zurück. Hat der Fonds jedoch gerade satte Verluste gemacht, sind seine Fondsanteile weniger wert als beim Kauf. Der Anleger steigt mit einem Verlust aus.

Diese Erfahrung machte Finanztest-Leser Karl Bauer. Er hatte im Jahr 2000 insgesamt 112 070 Euro in den Tonn Emerging Territories Fonds von Invesco (WKN 978 405) investiert, einen Fonds mit Anlageschwerpunkt Russland. Dafür hatte er 2 534 Fondsanteile erhalten. Anfang Januar 2002 teilte ihm die Fondsgesellschaft mit: „Die Ausgabe der Anteile wird zum 31. März eingestellt.“

Karl Bauer kritisiert vor allem den Zeitpunkt der Fondsschließung. „Mein Fonds hat mir ein Minus von rund 45 Prozent beschert, und das obwohl der Vergleichsindex um mehr als 80 Prozent gestiegen ist. Anstatt nun alles daranzusetzen, den Verlust wieder reinzuwirtschaften, macht der Fonds zu“, ärgert er sich.

Sein Fonds war lediglich zwei Jahre am Markt. Dabei hatte doch im Verkaufsprospekt gestanden: „Das Anlageziel ist ein langfris­tiges Kapitalwachstum.“

Die Begründung für das Ende: „Die Nachfrage entspricht nicht den Erwartungen ... Die Größe des Fonds lässt ­eine sachgerechte Verwaltung nicht zu.“ Er enthielt zu diesem Zeitpunkt rund 2,56 Millionen Euro.

Mit einem so geringen Volumen kann ein Fonds für die Gesellschaft zum Zuschussgeschäft werden. Die Managementgebühr des Tonn Emerging Territories lag bei 1,5 Prozent des Fondsvermögens im Jahr. Es blieben also nur 38 400 Euro, um das Fondsmanagement zu bezahlen.

Kleine Fonds haben hohe Kosten

Ein kleines Fondsvolumen bedeutet jedoch nicht automatisch, dass es einem Fonds an den Kragen geht. Denn es gibt Gründe, Fonds mit einem geringen Volumen am Leben zu lassen: Die Produktvielfalt kann eine Rolle spielen. Bevor eine Gesellschaft einen Markt gar nicht im Angebot hat, leistet sie sich lieber einen für sie unrentablen Fonds.

Kleine Fonds müssen auch nicht zwingend unrentabel sein. So kann zum Beispiel ein Fonds ohne viel Aufwand von einem anderen Fondsmanagerteam mitbetreut werden.

Unabhängig davon, warum ein kleiner Fonds am Markt bleibt, für Anleger birgt er Nachteile: Denn die internen Fixkosten, die etwa für Druck und Erstellung des Halbjahresberichts oder den Wirtschaftsprüfer anfallen, werden direkt vom Fondsvermögen abgezogen. Sie fallen also bei einem geringen Fondsvolumen stärker ins Gewicht und nagen an der Wertentwicklung. Karl Bauer hat das in Kauf genommen, weil er den speziellen Investitionsschwerpunkt des Fonds schätzte.

Ungleiche Bedingungen

Gegen die Schließung seines Fonds kann er sich nicht wehren. Denn im ­Paragraphen 13 und 14 des Kapital­anlagegesetzes sind Fondsschließungen ausdrücklich vorgesehen. Allerdings muss die Fondsgesellschaft die Kündigung drei Monate vorher im Bundesanzeiger veröffentlichen.

Gesetzliche Vorgaben, was die Gesellschaft dem Anleger anbieten muss, gibt es nicht. Doch bevor eine Fondsgesellschaft das Vermögen an den Anleger zurückzahlt, bietet sie ihm normalerweise an, in einen anderen Fonds zu wechseln.

Die Gesellschaften, die einen Fonds schließen, versuchen, ihre Kunden zu halten. Anleger wie Karl Bauer, die ihr Depot bei der Investmentgesellschaft haben, können deshalb entweder kostenlos in einen Alternativfonds umsteigen oder zu ermäßigten Konditionen in einen anderen Fonds der Gesellschaft switchen. Normalerweise wird ihnen dann nur die Differenz zwischen dem Ausgabeaufschlag des alten und neuen Fonds in Rechnung gestellt.

Invesco bot Karl Bauer sogar einen kostenlosen Wechsel innerhalb der gesamten Fondspalette der Gesellschaft an. Einen geeigneten Ersatz fand Bauer dennoch nicht: „Mir wurde ein Fonds angeboten, der in Schwellenländer wie Korea oder Taiwan investiert. Ich wollte aber weiterhin in einen Fonds mit Schwerpunkt Russland investieren“, sagt er. Einen solchen Fonds hat Invesco nicht im Angebot. Karl Bauer wechselte deshalb die Investmentgesellschaft.

Karl Bauer hatte immerhin die Wahl kostenfrei zu wechseln. Eindeutig schlech­ter gestellt sind Anleger, die ihr Depot nicht direkt bei der Investmentgesellschaft verwalten lassen, sondern bei ­Direktbanken oder Discountbrokern. Ob sie ohne Ausgabeaufschlag in einen anderen Fonds wechseln dürfen, legt die Direktbank oder der Discountbroker fest. Häufig erhält der Anleger lediglich den Gegenwert seiner Fondsanteile ausgezahlt.

Neue Chance für Anleger

Eine Fondsschließung muss nicht unbedingt nur Nachteile bringen, sondern kann sich auch als Chance entpuppen. Ob Top oder Flop ist vom Wechsel­angebot der Gesellschaften und von der eigenen Anlagestrategie abhängig. Denn der Anleger kann eine Fondsschließung auch dazu nutzen, seine Anlagestrategie zu überprüfen und zu korrigieren.

Hätte Finanztest-Leser Karl Bauer vorgehabt, den Osteuropaschwerpunkt in seinem Depot zu reduzieren, hätte ihm eine Fondsschließung vielleicht gut ins Konzept gepasst. Er könnte so sein Geld in einen anderen Fonds einzahlen, ohne noch mal einen Ausgabeaufschlag zu bezahlen.

Eine solche Kurskorrektur zum Nulltarif sollten vor allem Anleger nutzen, die bislang ihr Vermögen in erster Linie in einen sehr speziellen Branchen- oder Themenfonds investiert haben.

Schließung nach Fusion

Fondsschließungen oder Zusammenlegungen können auch die Folge einer Fusion zweier Investmentgesellschaften sein. Jüngstes Beispiel: die Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz. Dadurch verschwinden dieses Jahr gleich 11 Fonds vom Markt (siehe Tabelle). Denn die Finanzriesen möchten sich nicht mit ähnlichen Produkten Konkurrenz machen.

„Die Fondsschließung fällt fast immer auf das Datum des Halbjahres- oder Jahresberichts“, sagt Karl-Hermann Hammel vom dit, der Fondsgesellschaft der Dresdner Bank. „Fondsgesellschaften sparen so Kosten, weil zu diesen Terminen ohnehin die üblichen Abschlussarbeiten und -kosten anfallen“, verrät er. Der Fonds von Karl Bauer wurde zum Datum des Halbjahresberichts geschlossen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 600 Nutzer finden das hilfreich.