Investmentfonds Test

Die Suche nach dem richtigen Fonds: mit den neuen Finanztest Fondstabellen halten Anleger noch einfacher Kurs.

Die neue Fondsbewertung von Finanztest hilft das Depot aufzuräumen und gute Fonds zu erkennen.

Verluste kosten Nerven. Und das Nervenkostüm von Fondsanlegern musste in den vergangenen Monaten einiges aushalten: Durchschnittlich mehr als 16 Prozent büßten internationale Aktienfonds im Jahr 2001 ein. Neu sind solche Verluste nicht, aber noch nie waren so viele Anleger auf der Verliererseite.

Jetzt mit hektischen Verkäufen zu reagieren, ist der falsche Weg. Das fängt weder Verluste auf, noch garantiert es eine bessere Rendite. Im Gegenteil: Mit dieser Strategie läuft der Anleger Gefahr, sich übereilt von guten bis sehr guten Fonds zu trennen.

Denn auch gute Fonds können Verluste machen, wenn der Markt schlecht läuft. Das zeigt der DWS Vermögensbildungsfonds I (WKN 847 652) anschaulich. Er ist in unserem monatlich aktualisierten Dauertest seit März 2001 der Primus unter den internationalen Aktienfonds. Im Jahr 2001 machte aber auch er ein Minus von 12,8 Prozent. Sparer, die noch auf einen langen Anlagehorizont blicken, haben aber gute Chancen, solche Verluste auszusitzen.

Ob das auch mit anderen Fonds gelingen kann, hängt von ihrer Qualität ab. Jeder Anleger sollte deswegen seine Fonds von Zeit zu Zeit einer kritischen Prüfung unterziehen.

Die Finanztest-Fondsanalyse bietet hierzu das richtige Rüstzeug. Wir untersuchen regelmäßig die Qualität von mehr als 1.600 Fonds und veröffentlichen die monatlich aktualisierten Ergebnisse der 50 Besten für die wichtigsten Fondsgruppen. Die Analyse berücksichtigt jeweils die Entwicklung der Fonds in den vergangenen fünf Jahren.

Signale richtig deuten

Investmentfonds Test

Jetzt hat Finanztest seine Fondsbewertungsmethode weiterentwickelt. Neue Kennzahlen und Auswertungen erleichtern die Fondsauswahl und Kontrolle: Anhand eines neu eingeführten Signals (siehe Tabelle im PDF-Dokument, letzte Spalte) können die Leser außerdem sofort erkennen, wie es um ihre Fonds steht.

Dafür hat Finanztest eine Ampel eingeführt. Sie zeigt, ob Anleger bequem mit ihren Fonds "weiterfahren" können (grüner Punkt), ihre Fonds beobachten sollten, weil das Signal umspringen könnte (gelber Punkt). Oder aber, ob es ratsam ist, vor diesem Fonds "zu stoppen" (roter Punkt) und ihn entweder erst gar nicht ins Depot zu lassen oder aber unter bestimmen Voraussetzungen über einen Verkauf nachzudenken.

Wer schon Fonds besitzt, hat natürlich ein anderes Informationsbedürfnis als ein Anleger, der kurz vor dem Fondskauf steht. Auch das hat Finanztest beim Ampel-Modell berücksichtigt. Die Ergebnisse der Fondsanalyse werden nämlich für beide Anlegergruppen unterschiedlich ausgewertet: Der linke Farbpunkt in der Spalte Signal informiert Fondsbesitzer. Der rechte richtet sich hingegen an Neukäufer.

Selbst ist der Anleger

Investmentfonds Test

Wie man die Fondstabellen optimal für das eigene Depotmanagement nutzt, zeigt Finanztest anhand von zwei Anlegern, die in internationale Aktienfonds investieren. Beide verwenden die Fondstabellen für ihr persönliches Anlageproblem.

Peter Büttner hat bereits Geld in vier internationale Aktienfonds investiert. Er möchte nun im ersten Schritt die Qualität seiner Fonds mithilfe der Finanztest-Tabellen einschätzen und anschließend entscheiden, ob er sein Depot aufräumen muss.

Bei dem zweiten Anleger, Holger Pütz, steht dagegen die Kaufentscheidung erst noch an. Er hat sich bereits eine Anlagestrategie überlegt und will jetzt die geeigneten internationalen Aktienfonds für sein Depot auswählen.

Depot auf dem Prüfstein

In guten Börsenzeiten bringen mitunter auch lausig gemanagte Fonds so hohe Wertzuwächse, dass sie andere Geldanlagen locker in den Schatten stellen. Unerfahrene Anleger kommen in solchen Zeiten gar nicht auf die Idee, an ihrer Fondsauswahl zu zweifeln.

Diese Erfahrung machte auch Fondsanleger Peter Büttner. Er hat im Dezember 1996 umgerechnet 25.000 Euro für die Ausbildung seiner Kinder angelegt. Sein Anlageberater riet ihm, nicht die gesamte Summe in einen internationalen Aktienfonds einzuzahlen, sondern sie auf drei zu verteilen. Peter Büttner splittete sein Vermögen:

Umgerechnet 15.000 Euro legte er in den DekaSpezial (WKN 847 466) und jeweils 5.000 Euro in den UBS (CH) EF Global Titans (WKN 970 164) und in den Metzler Wachstum International (WKN 975 225) an. Außerdem hat er noch einen Fondssparplan eingerichtet und zahlt monatlich 100 Euro in den Interglobal (WKN 847 507) ein.

Lange hat er sich wenig um seine Fonds gekümmert. Mit einer durchschnittlichen jährlichen Wertentwicklung zwischen 28,1 Prozent (UBS [CH] EF Global Titans) und 43,9 Prozent (DekaSpezial) war für Peter Büttner die Welt in Ordnung.

Das änderte sich, als der Metzler International im letzten Quartal 2000 aufgrund der Technologie- und Internetkrise Peter Büttner zum ersten Mal mit Verlusten von über 30 Prozent verärgerte. Im vergangenen Jahr setzte der Fonds noch eins oben drauf und machte noch einmal fast 40 Prozent Minus.

Büttners Fondsanteile, für die er ursprünglich 5.000 Euro bezahlt hat, sind heute zwar 8.090 Euro wert. Verglichen mit dem, was sie aber schon einmal an Wert besaßen, enttäuscht ihn dieses Ergebnis. Mit den anderen Fonds erging es ihm ähnlich.

Halten oder verkaufen?

Peter Büttner hat allen Grund darüber nachzudenken, ob seine vier Fonds die richtigen sind. Das Ampel-Modell und die Fondstabellen erleichtern ihm die Antwort.

Der DekaSpezial hat in der linken Hälfte der letzen Spalte "Signal" einen grünen Punkt (siehe Tabelle im PDF-Dokument). Das zeigt Anlegern, die ihn im Depot haben, dass sie sich beruhigt zurücklehnen können. Denn der Fonds besitzt mit einer Finanztest-Bewertung von 58,4 Punkten eine solide Position oberhalb des Indexes MSCI Welt. Der Index der Investmentgesellschaft Morgan Stanley Capital International (MSCI) spiegelt den Gesamtmarkt und dient bei der Fondsbewertung als Vergleichsmaßstab.

Der Fonds hat außerdem ein gutes Potenzial, den Verlust der vergangenen Monate wieder hereinzuwirtschaften, wenn es an den Börsen wieder bergauf gehen sollte. Das verrät das "X" in der Spalte "Besser im Gewinnmarkt". Es zeigt nämlich, dass der Fonds in guten Börsenzeiten im Vergleich mit dem Markt besonders stark war. Den DekaSpezial sollte Büttner behalten. Solange die Ampel grün leuchtet, braucht er sich um diesen Fonds nicht zu kümmern.

Nicht aus den Augen lassen

Beim Interglobal sieht die Situation etwas anders aus. Seine Ampel steht auf Gelb (siehe Tabelle im PDF-Dokument). Der Grund: Seine Finanztest-Bewertung liegt mit 47,6 Punkten gerade mal im Mittelfeld. "Gelb" sind alle Fonds, die höchstens fünf Punkte besser oder weniger als fünf Punkte schlechter als der Fonds genau in der Mitte der Fondsgruppe (Median) abschneiden. Büttner sollte sich also diesen Fonds näher ansehen.

Hätte Peter Büttner in diesen Fonds einmalig eine Summe investiert, würden ihm die Experten von Finanztest raten, diesen Fonds kontinuierlich zu beobachten. Er befindet sich in der Tabelle zurzeit in einer Position, von der er sich durchaus wieder hocharbeiten kann. Schneidet er allerdings weiterhin so mäßig ab wie in den vergangenen zwölf Monaten, droht ihm langfristig ein Abstieg in den roten Bereich.

Peter Büttner hat sich aber nicht für eine Einmalanlage, sondern für einen Sparplan entschieden. In diesem Fall lautet die Empfehlung der Fondsexperten anders: Hier bietet es sich an, den Sparplan auszusetzen. Dies ist normalerweise problemlos möglich. Zusatzkosten entstehen nicht.

Statt in den Interglobal zu sparen, sollte Peter Büttner seine 100 Euro monatlich lieber in einen sehr guten Fonds einzahlen. Die angesparte Summe aus dem Interglobal kann er zwar im Fonds lassen, sollte ihn aber weiter beobachten, um eventuell einen geeigneten Ausstiegszeitpunkt zu finden.

Stärken in Krisenzeiten

Der UBS (CH) EF Global Titans ist mit einer Finanztest-Punktzahl von 37,1 der schlechteste Fonds im Depot von Büttner. Seine Ampel steht auf Rot.

Ob er diesen Fonds verkaufen soll, darüber möchte er sich durch weitere Recherchen eine Meinung bilden. Er schaut sich hierzu unsere internationalen Aktienfonds an, die auch ab Platz 51 mit allen Spalten abgedruckt sind. In der Tabelle sieht er in der Spalte "Spanne der Einjahresbewertungen", dass der Fonds im vergangenen Jahr mit 61,5 Punkten ein gutes Ergebnis hingelegt hat.

Zum Vergleich: Der DekaSpezial erlebte dagegen in den vergangenen zwölf Monaten seine schlechteste Phase. Er hatte lediglich 18,6 Punkte. Das kann Peter Büttner auch in der abgedruckten Tabelle erkennen, weil der senkrechte Strich in der Tabelle ganz links steht (siehe Tabelle im PDF-Dokument).

Der waagrechte Strich bezieht sich dagegen auf den gesamten Untersuchungszeitraum. Er markiert zwei Extremwerte: das beste und das schlechteste Zwölfmonatsergebnis. Erstaunlich am Abschneiden des UBS ist, dass er in Krisenzeiten das beste Ergebnis im Untersuchungszeitraum hingelegt hat. Für das ungewöhnlich gute Jahresergebnis des UBS (CH) EF Global Titan ist die Strategie des Fonds verantwortlich: Er investiert hauptsächlich in große Aktienwerte (Titans). Dieser Value-Ansatz sorgte dafür, dass er im vergangenen Jahr, als es mit dem Börsenkursen nach unten ging, bessere Ergebnisse erzielte als in Zeiten boomender Börsen.

Anleger Büttner findet, dass ein solcher Value-Fonds sein Depot sinnvoll ergänzt, zumal sein Hauptfonds, der DekaSpezial, seine Stärken eher im Gewinnmarkt hat.

Hätte er die Möglichkeit, günstig in einen anderen guten Fonds zu switchen, hätte er ihn allerdings verkauft.

Der Metzler Wachstum gehört inzwischen zur Sondergruppe der "Fonds mit sehr großer Marktabweichung". Seine Marktnähe beträgt nur 36,7 Prozent, das heißt nur 36,7 Prozent seiner Wertschwankungen sind durch das Verhalten des Gesamtmarkts zu erklären. Dies weist darauf hin, dass sein Anlagekonzept so "exotisch" ist, dass es nur für den informierten Anleger geeignet ist.

Hiervon sollte der Anleger höchstens 10 Prozent im Depot haben. Peter Büttner müsste also Fondsanteile für etwa 2.600 Euro verkaufen. Er sollte dieses Geld wiederum in einen der sehr guten Fonds anlegen.

Die Probleme von Anleger Büttner zeigen, dass jedes Depotmanagement von einer Fülle von individuellen Entscheidungen und natürlich auch von der persönlichen Situation des Anlegers abhängt. Das Ampel-Modell kann deswegen nur eine Entscheidungshilfe sein. Pauschale Handlungsanweisungen für jedermann wie "Jetzt verkaufen" oder "Kaufen" wären unseriös.

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