Investmentfonds Meldung

Rund 150 Leserinnen und Leser haben das Angebot von Finanztest genutzt und Fragen zu ihren Fonds­anlagen geschickt. Hier sind die wichtigsten Antworten.

Die Finanzkrise hat viele Fondsanleger in Zweifel gestürzt. Sollen sie einen Fonds behalten, obwohl er im Minus liegt? Die Depotmischung überprüfen? Oder womöglich eine ganz andere Strategie wählen? Finanztest zeigt, wie Anleger mithilfe der monatlichen Finanztest-Bewertungen ihre Fondsanlagen gut durch die Krise bringen.

Halten oder verkaufen

Franz Mohnert: Ich habe Anteile an den Fonds JPM Europe Equity und Lingohr Systematic-LBB-Invest. Beide liegen dick im Minus. Soll ich halten oder verkaufen?

Finanztest: Beide Fonds sind abgestürzt. Der JPM Europe Equity liegt auf Jahressicht noch mit rund 40 Prozent im Minus, der Lingohr-Systematic-LBB-Invest, ein Aktienfonds Welt, mit 30 Prozent.

Die Qualität der Fonds unterscheidet sich deutlich, wie die Finanztest-Bewertung zeigt: Während der Lingohr-Fonds mit 59,9 Punkten überdurchschnittlich abschneidet, kommt der JPM-Fonds nur auf 32,8 Punkte, Tendenz weiter fallend. Zur Orientierung: 50 Punkte markieren in jeder Fondsgruppe den Durchschnitt.

Behalten Sie den Fonds von Lingohr und warten Sie auf eine Erholung des Marktes. Statt des JPM Europe Equity können Sie allerdings zahlreiche bessere Aktienfonds Europa finden (siehe Produktfinder Investmentfonds).

Claus-Ekkehard Fischer von Mollard: Anfang 2008 habe ich Anteile am Fidelity European Aggressive erworben. Während der Finanzkrise hat der Fonds hohe Verluste gemacht. Als Grund führten Sie seinen Schwerpunkt auf Rohstoffe und Energie an. Soll ich den Fonds verkaufen oder behalten, weil am Ende der Krise Rohstoffe und Energie wieder stark nachgefragt werden?

Finanztest: Der Fonds setzt inzwischen weniger auf Energie und Rohstoffe als vor allem auf den Finanzsektor. Der macht im Fonds einen Anteil von rund 25 Prozent aus. Energieversorger kommen auf 12 Prozent, Rohstoffe auf 11. Seit seinem Tief im März hat der Fonds zwar um 40 Prozent zugelegt, dennoch schneidet er im Test mit 40,6 Punkten unterdurchschnittlich ab, Tendenz fallend.

Bei so schlechten Ergebnissen raten wir normalerweise zum Verkauf des Fonds. Ob der Zeitpunkt günstig ist, können wir allerdings nicht abschätzen. Möglicherweise profitiert der Fonds von der Erholung der Finanzwerte. Das ist aber eine heiße Wette.

Gerhard Beyer: Ich habe in den Geldmarktfonds Pioneer Euro Geldmarkt Plus investiert. Obwohl sich der Immobilienmarkt in den USA aufhellt, hat sich der Kurs nicht erholt. Ist überhaupt irgendwann mit einer Erholung zu rechnen?

Finanztest: Der Pioneer Euro Geldmarkt Plus hat auf Fünfjahressicht einen Verlust von 6,5 Prozent pro Jahr gemacht und auf Jahressicht sogar 30 Prozent verloren. Das ist für einen „sicheren“ Geldmarktfonds ein Unding. Deshalb kommt er in der Einjahresbewertung nur auf 3,2 Punkte.

Der Fonds investiert in Wertpapiere, die mit Immobilienkrediten hinterlegt sind, abgekürzt ABS, MBS und CDO. „Die Titel bergen teilweise ein hohes Einzeltitelrisiko“ schreibt Pioneer im Internet. Doch so riskante Papiere haben in Geldmarktfonds unserer Ansicht nach nichts zu suchen.

Die Fondsgesellschaft hält es für wenig wahrscheinlich, dass sich der ABS-Markt in nächster Zeit erholt. Wann es soweit sein werde, sei schwer abzuschätzen, heißt es. Das klingt nicht gut. An den ABS-Papieren will Pioneer trotzdem festhalten und argumentiert: Ein Aktienfondsmanager mache aus seinem Fonds auch keinen Anleihenfonds, wenn die Aktienkurse fallen.
Tipp: Wer einen Geldmarktfonds haben will, liegt hier falsch. Verkaufen!

Fonds richtig mischen

Dieter Hartmann: Ich bin Rentner und habe gut ein Dutzend Fonds, darunter offene Immobilienfonds, Aktienfonds Welt und Rohstoffe sowie verschiedene Misch- und Dachfonds. Zurzeit sitze ich auf rund 20 Prozent Verlust. Stimmt etwas an meiner Mischung nicht? Soll ich lieber ETFs kaufen, börsengehandelte Indexfonds?

Finanztest: Ihre Mischung passt gut. Es spricht auch nichts gegen aktiv gemanagte Fonds. Es gibt immer noch viele, die ihre Vergleichsindizes schlagen und somit besser als ETFs abschneiden. Eine Umschichtung ist aus unserer Sicht nicht notwendig.

Wenn Sie am Mix etwas ändern wollen, sollten Sie an Rentenfonds denken. Die investieren in Zinspapiere und etwas mehr Stabilität würde Ihrem Depot gut tun. Hier bieten sich in der Tat ETFs an, denn die Manager von Rentenfonds tun sich schwer, den Markt zu schlagen.

Roland Hirschmann: Was halten Sie von den Fonds Deka Convergence Aktien und UniRak?

Finanztest: Der Deka Convergence Aktien ist ein stark überdurchschnittlicher Fonds. In unserer Bewertung bekommt er 71,7 Punkte. Daran ändert auch der aktuelle Jahresverlust von 43,4 Prozent nichts.

Der Fonds kauft Aktien aus Osteuropa. Die Krise hat das Wachstum in diesen Ländern jäh gebremst. Wenn Sie sich der Risiken bewusst sind, ist gegen das Investment aber nichts einzuwenden. Allerdings sollten Sie den Fonds nicht wie einen Aktienfonds Europa als Basisinvestment nutzen, sondern nur beimischen.

Der Fonds UniRak ist ein Mischfonds und mit 62 Punkten ebenfalls ein überdurchschnittlicher Fonds. Behalten!

Fondsbeispiele

Karsten Kaldun: Ich habe über 70 Fonds. An der Spitze der Verlierer stehen zwei BRIC-Fonds, der DWS Invest BRIC Plus und der HSBC BRIC Freestyle. Was halten Sie denn von diesen Fonds?

Finanztest: BRIC steht für Brasilien, Russland, Indien und China. Die Fonds kamen in der Erwartung auf den Markt, dass diesen Ländern eine besonders gute Entwicklung bevorstehe. Das war erst vor vier Jahren. Eine Finanztest-Bewertung gibt es immer erst nach fünf Jahren.

Die Chancen, dass die Idee aufgeht, stehen nicht schlecht, schließlich hat China gezeigt, dass es auch in schlechten Zeiten ein enormes Tempo vorlegt. Russland und Brasilien profitieren von ihren Rohstoffvorkommen, die nicht zuletzt von China nachgefragt werden. Inwieweit sich allerdings die Hoffnung auf eine tolle Zukunft bereits in den Aktienkursen widerspiegelt, vermögen wir nicht einzuschätzen.

Eines sollte Ihnen jedoch klar sein: Hohe Renditechancen gehen mit hohen Risiken einher. Bei der Menge an Fonds, die Sie haben, dürfte Ihre Risikostreuung allerdings ausreichend sein.

Annelore Hopfe: Ich habe unter anderem die Fonds DWS Zukunftsressourcen und DWS Zukunftsinvestitionen und bin mir nicht sicher, welcher aussichtsreicher ist. Zudem wollte ich gerne wissen, ob der Indexfonds von iShares auf den DJ Stoxx 600 Basic Resources breit genug gestreut ist.

Finanztest: Der DWS Zukunftsressourcen setzt auf erneuerbare Energien, Wasser und Agrochemie. Weil der Fonds noch keine fünf Jahre alt ist, bewerten wir ihn nicht. Ob das Investment eine gute Rendite abwirft, hängt nicht zuletzt auch vom Ölpreis ab. Je höher er steigt, desto interessanter werden Windkraft und Solarenergie.

Der DWS Zukunftsinvestitionen setzt auf Firmen, die von staatlichen Investitionen in die Infrastruktur profitieren. Welche der beiden Anlageideen attraktiver ist, können wir nicht sagen. Es hängt auch davon ab, was der Fondsmanager daraus macht.

Ihr Indexfonds ist ein Rohstofffonds. Er enthielt Ende Juni 29 Aktien aus dem europäischen Index Stoxx 600. Vier Aktien machten allein zwei Drittel des Fondsvermögens aus. Das ist kein guter Mix.

Doch solange Sie eine solide Basis aus Aktienfonds Welt und Europa und dazu sichere Zinsanlagen haben, spricht nichts gegen die Beimischung spekulativerer Fonds.

Fondsschließung

Jürgen May: Mein Fonds, der SEB Global Players, wurde aufgelöst und jetzt sitze ich auf einem Verlust. Kann ich mich dagegen wehren?

Finanztest: Gegen eine Schließung können Sie nichts unternehmen. Das entscheidet die Fondsgesellschaft. Nach Auskunft von SEB ist Ihr Fonds aufgelöst worden, weil er zu klein war. Das ist meist besser: Kleine Fonds haben es schwer, rentabel zu arbeiten. In unserem Test hatte der Fonds zuletzt auch eine sehr schwache Note.

Den Verlust hatten Sie jedoch schon, als der Fonds noch existierte, wenn auch nur auf dem Papier. Um das Geld wieder hereinzuholen, ist es besser, einen guten Fonds zu kaufen statt am schlechten festzuhalten. Kaufen Sie einen anderen Aktienfonds Welt und warten Sie ein paar Jahre ab!

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