Investmentfonds Test

Yvonne Menne ärgert sich vor allem über die „Dreistigkeit“ der Anbieter, eine Erfolgsgebühr unmittelbar nach einer Börsenkrise einzuführen.

Ausgerechnet die Erholung aus der Krise versüßen sich Fondsgesellschaften mit Erfolgsgebühren. Fair gehts dabei nicht zu.

„Einfach nur dreist“ nennt Yvonne Menne jene Maßnahme, die Allianz Global Investors als „Änderung der Gebührenstruktur“ bezeichnet. Die Fondsgesellschaft teilte Anlegern im Frühjahr 2009 mit, dass sie für viele ihrer Fonds eine zusätzliche Gebühr einführen werde.

Was im Fachvokabular englisch „Performance Fee“ heißt, ist ein Erfolgshonorar. Diesen Bonus gönnt sich der Anbieter, wenn seine Fonds eine selbstgewählte Hürde übertroffen haben. Das kann eine feste Prozentgrenze oder ein Börsenindex sein.

Die Fernsehjournalistin Menne ärgert sich besonders über den Zeitpunkt, zu dem die Gebühren eingeführt wurden: „Erst verliert der Fondsbesitzer durch den Börsenabsturz, und wenn die Kurse irgendwann wieder steigen, wird er zusätzlich abkassiert.“

Nicht nur Allianz Global Investors (AGI) und ihre Tochter cominvest kassieren ab. Auch die drei anderen großen deutschen Gesellschaften Deka, DWS und Union Investment verlangen mittlerweile für zahlreiche Fonds erfolgsabhängige Gebühren – und das zusätzlich zu den üblichen Verwaltungskosten.

Unser Leser Wolfgang Bigalke steht nicht allein mit seiner Vermutung, dass „die Finanzindustrie versucht, wegbrechende Erträge durch Schaffung neuer Einnahmequellen auszugleichen“.

Mehrertrag nur für den Anbieter

Einige Fonds haben die Zusatzgebühr schon länger und profitieren erheblich von ihr. So konnte die DWS aus ihrem global anlegenden Fonds Global Value für das Geschäftsjahr 2008/2009 eine Erfolgsbeteiligung von rund 6,7 Millionen Euro herausziehen – was die Rendite des Fonds um ungefähr 1,36 Prozentpunkte verringerte.

Das war mehr als ärgerlich für die Anleger: Der Fonds hatte im entsprechenden Jahr ein Drittel seines Wertes verloren. Und er war nach Abzug der Kosten auch nur noch 0,03 Prozentpunkte besser als seine selbstgewählte Messlatte, der weltweite Aktienindex MSCI World Value.

Die Fondsgesellschaften geben sich alle Mühe, die zusätzlichen Kosten als Fortschritt zu verkaufen. So bezeichnet AGI die Einführung als „weitere Maßnahme im Zuge der Harmonisierung der Gebührenstruktur“. Viele argumentieren damit, dass die Erfolgsgebühr ja auch dem Anleger nutze, da sie das Fondsmanagement ansporne.

Unterm Strich würden beide Seiten an den Gebühren verdienen: die Anbieter durch ihre Mehreinnahmen, die Anleger durch eine höhere Rendite.

Das klingt halbwegs logisch, stimmt so aber leider nicht. Einen systematischen Renditevorsprung für Fonds mit Erfolgsgebühr konnten wir nicht feststellen. Die Argumentation der Befürworter geht ins Leere.

Finanztest hat bei einer der wichtigsten Fondsgruppen, den Aktienfonds Welt, untersucht, für welche Fonds eine erfolgsabhängige Gebühr fällig wird und wie sie gestaltet ist.

Das Ergebnis ist erschreckend: Die meisten Anbieter biegen den Anlageerfolg durch Tricks so zurecht, dass sie kräftig abkassieren können.

Die Tabelle „Aktienfonds Welt mit erfolgsabhängigen Gebühren“ zeigt, dass die Erfolgsgebühr nur für einzelne Fonds dieser Gruppe erst seit kurzem gilt. Bei den meisten gibt es sie schon länger. Doch die deutschen Fondsgesellschaften haben solche Gebühren kürzlich auch für einige Dutzend Fonds aus anderen Gruppen eingeführt, von Aktienländer- über Branchenfonds bis hin zu Rentenfonds. Die Tricks dahinter ähneln denen bei den Aktienfonds Welt.

Der Trick mit dem Kurzzeitgedächtnis

Viele Anleger fänden es nur gerecht, wenn eine Prämie im Erfolgsfall stets an eine Beteiligung in Verlustphasen gekoppelt wäre. Dann müsste das Fondsmanagement auch einmal Geld zurückzahlen, wenn es für Anleger nichts herausholen konnte. Doch solche Fonds fanden wir in unserer Untersuchung nicht.

Im Gegenteil: Selbst renommierte Gesellschaften wie AGI, Deka, DWS und Union sind nicht einmal dazu bereit, Verluste aus der Vergangenheit zu berücksichtigen, bevor sie für Erfolge kassieren.

Verluste lassen sich auf zwei Arten verrechnen. International gebräuchlich ist die Höchststandsregelung, bei der Erfolgsgebühren erst erhoben werden, wenn der Fonds einen neuen Höchststand erreicht.

Bei der zweiten Variante kommt es darauf an, ob der Fonds hinter seinem Maßstab zurückgeblieben ist. Dieser Rückstand wird ins Folgejahr übertragen. Dann muss der Fonds nicht mehr nur seinen Maßstab schlagen, sondern auch noch den Rückstand aufholen. Erst wenn das geschafft ist, kann eine Performance Fee fällig werden.

Rund die Hälfte der untersuchten Fonds hat aber keinen derartigen Puffer. Mit Beginn jedes neuen Geschäftsjahres löschen sie zum Nachteil der Anleger die alten Ergebnisse aus dem Gedächtnis.

Der Trick mit dem Erfolgsmaßstab

Investmentfonds Test

Wolfgang Bigalke aus Köln ist empört über die „Leistungsprämie“ für Investmentgesellschaften.

Erfolg ist ein dehnbarer Begriff. In der Fondsbranche ist es üblich, einen Wertpapierindex als Maßstab heranzuziehen. Nur wenn ein Fonds den Index übertrifft, ist er erfolgreich.

Für weltweit anlegende Aktienfonds gilt der von der Investmentbank Morgan Stanley berechnete Index MSCI Welt als gute Messlatte. Doch den Index gibt es als Preis- index (auch Kursindex genannt) und als Performance-Index. Nur der letztgenannte berücksichtigt die von den Aktiengesellschaften gezahlten Dividenden.

Weil sich die Gesellschaft DJE bei ihren beiden Fonds im Test auf Preisindizes bezieht, kann sie diese Ausschüttungen schon mal als Erfolg verbuchen. Dafür müssen ihre Manager gar nichts Besonderes leisten.

Was Anlegern meist nicht klar ist: Eine Erfolgsgebühr kann bei vielen Fonds auch fällig werden, wenn der Fonds ein dickes Minus erwirtschaftet hat. So wie beim oben erwähnten DWS Global Value.

Die Fondsmanager des DWS Global Value messen ihren Erfolg an einem Index. Wenn sie diesen geschlagen haben, können sie die Gebühr immer erheben. Ob der Fonds selbst dabei ein Plus oder ein Minus gemacht hat, ist nicht entscheidend. Eine Gebührenbremse wie die Höchststandsregel haben sie nicht eingebaut.

Die meisten untersuchten Fonds halten sich aber nicht an einen Aktienindex, sondern nehmen eine feste Prozentmarke als Messlatte. Bei jedem fünften gilt allen Ernstes das Überschreiten der 0-Prozent-Hürde als Anlageerfolg. Die Anbieter können in guten Börsenphasen richtig absahnen, wenn sie es sich sehr einfach machen und nur einen gebräuchlichen Aktienindex nachbilden.

Liegt die Messlatte schon lachhaft niedrig, sollte wenigstens der Anteil der Fondsgesellschaft am Erfolg gering sein. Die Gesellschaften schneiden sich recht unterschiedliche Stücke vom Kuchen ab, die Spanne reicht von 5 bis 25 Prozent.

Der Spaß hört auf, wenn eine 0-Prozent-Hürde mit einer 20-prozentigen Beteiligung am sogenannten Erfolg kombiniert wird. Bei solchen Fonds, die im Test auch vorkommen, greift die Fondsgesellschaft von einem 10-prozentigen Wertzuwachs gleich wieder 2 Prozent ab.

Der Brutto-Netto-Trick

Die Erfolgsgebühr ist nur einer von mehreren Posten. Es wäre normal, dass die Fondsgesellschaft zunächst alle sonstigen Kosten abzieht, ehe sie den Anlageerfolg misst. Doch so fair gehen längst nicht alle Anbieter mit ihren Kunden um.

Selbst renommierte Fondsanbieter wie die Sparkassengesellschaft Deka, DJE und Union Investment berechnen die Performance Fee vom Bruttoertrag des Fonds – vor Abzug der Verwaltungskosten von 1 bis 2 Prozent im Jahr.

Durch diesen Trick liegt der Erfolg, mit dem die Manager ihre Gebühren berechnen, deutlich höher als das, was Anleger als Erfolg zu sehen bekommen.

Der Trick mit dem Zeitfenster

Besonders undurchsichtig werden Erfolgsgebühren, wenn sie sich nicht auf ein Jahr, sondern auf kürzere Zeiträume beziehen. Je kürzer das Intervall, desto günstiger für den Anbieter. Der Fondsmanager kann sich sogar animiert fühlen, hohe Risiken einzugehen, um kurzzeitige Erfolge zu erzielen.

Der AHW Top Dividende International A kassierte in dem Berichtsjahr 2007 laut Rechenschaftsbericht mehr als 330 000 Euro Erfolgsgebühr, obwohl er auf Jahressicht nicht einmal die 0-Prozent-Hürde übersprungen hatte.

Die Gebühr verdankt die Fondsgesellschaft der vierteljährlichen Abrechnungsmethode. Mittlerweile hat sie sogar auf monatliche Betrachtungsweise umgestellt.

Auch der B&P Optimix, der die Erfolgsgebühren sogar täglich herauszieht, schaffte das Kunststück, eine negative Entwicklung in einen Erfolg für die Fondsgesellschaft umzumünzen. Und den kommentiert sie folgendermaßen:

„Der Fonds stieg im Zeitraum vom 1. 7. 07 bis zum 30. 10. 07 von 177,15 auf 192,62 Euro, daraus resultierte diese Performance-Fee (...). Ab diesem Zeitpunkt ging es praktisch nur noch nach unten. Fazit: In der Boomphase hatte der Fondsmanager gut gearbeitet und dementsprechend eine Performance-Fee erhalten.“ Kein Kommentar.

Die Beispiele zeigen, dass die verschiedenen Gebührentricks in ihrer Kombination besonders fies wirken. Dabei klingen sie einzeln noch einigermaßen harmlos.

Bei unserem Eingangsbeispiel, dem DWS Global Value, gehen zum Beispiel 25 Prozent des Vorsprungs gegenüber dem Vergleichsindex an die Fondsgesellschaft. Die Berechnungsregeln sorgten jedoch zuletzt dafür, dass die DWS den Mehrertrag nahezu komplett selbst einstecken konnte.

Gut trotz zusätzlicher Gebühr

Erfolgsabhängige Gebühren wären akzeptabel, solange sie fair gestaltet und nicht übermäßig hoch sind. Nur suchten wir das in unserer Untersuchung vergeblich.

Allein entscheidend ist die Erfolgsgebühr für die Fondsauswahl aber nicht. Viele Fonds sind trotz Performance Fee noch so gut, dass Anleger den Makel besser zähneknirschend in Kauf nehmen, als einen Fonds mit schlechteren Renditeaussichten zu wählen.

Selbst bei den Spitzenfonds DJE Dividende & Substanz, Carmignac Investissement und UniGlobal kann uns die Gestaltung der Erfolgsgebühr nicht überzeugen. Empfehlenswert sind sie trotzdem. Und wenigstens hat Union Investment im vergangenen Abrechnungszeitraum freiwillig darauf verzichtet, die Gebühr zu erheben, die für den UniGlobal möglich gewesen wäre.

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