Investmentfonds Test

Fonds­ge­sellschaften haben für zahlreiche Fonds erfolgs­abhängige Gebühren eingeführt - zusätzlich zu den üblichen Verwal­tungs­kosten. Finanztest hat für Aktienfonds Welt untersucht, wo eine erfolgs­abhängige Gebühr fällig wird und wie sie gestaltet ist. Ergebnis: Die meisten Kosten­modelle benach­teiligen Anleger.

Mehrertrag nur für den Anbieter

Viele Fonds haben die Zusatzgebühr schon länger und profitieren erheblich von ihr. Fondsgesellschaften verteidigen die Erfolgsgebühr gern damit, dass sie ja auch dem Anleger nutze, indem sie das Fondsmanagement ansporne. Das klingt halbwegs logisch, stimmt so aber nicht. Einen systematischen Renditevorsprung für Fonds mit Erfolgsgebühr konnte Finanztest nicht feststellen. Die Argumentation der Befürworter geht also ins Leere.

Der Trick mit dem Kurzzeitgedächtnis

Viele Anleger fänden es nur gerecht, wenn eine Prämie im Erfolgsfall stets an eine Beteiligung in Verlustphasen gekoppelt wäre. Dann müsste das Fondsmanagement auch Geld zurückzahlen, wenn es für Anleger nichts herausholen konnte. Doch solche Fonds fand Finanztest nicht. Im Gegenteil: Selbst Verluste aus der Vergangenheit berücksichtigen die Fonds nicht, bevor sie für aktuelle Erfolge kassieren: Rund die Hälfte der untersuchten Fonds hat keinen derartigen Puffer - darunter so renommierte Gesellschaften wie AGI, Deka, DWS und Union. Mit Beginn jedes neuen Geschäftsjahres löschen diese Gesellschaften zum Nachteil der Anleger die alten Ergebnisse aus dem Gedächtnis.

Der Trick mit dem Erfolgsmaßstab

Erfolg ist ein dehnbarer Begriff. In der Fondsbranche ist es üblich, einen Wertpapierindex als Maßstab heranzuziehen. Nur wenn ein Fonds den Index übertrifft, ist er erfolgreich. Was Anlegern meist nicht klar ist: Eine Erfolgsgebühr kann bei vielen Fonds auch dann fällig werden, wenn der Fonds ein dickes Minus erwirtschaftet hat. Die meisten untersuchten Fonds wählen als Messlatte nicht einen Aktienindex, sondern eine feste Prozentmarke. Bei jedem fünften gilt bereits das Überschreiten der 0-Prozent-Hürde als Anlageerfolg! Ergebnis: Die Anbieter können in guten Börsenphasen richtig absahnen, wenn sie es sich sehr einfach machen und nur einen gebräuchlichen Aktienindex nachbilden.

Der Trick mit brutto und netto

Die Erfolgsgebühr ist nur einer von mehreren Posten. Es wäre normal, dass die Fondsgesellschaft zunächst alle sonstigen Kosten abzieht, ehe sie den Anlageerfolg misst. Doch so fair gehen längst nicht alle Anbieter mit ihren Kunden um. Selbst renommierte Fondsanbieter wie die Sparkassengesellschaft Deka, DJE und Union Investment berechnen die Erfolgsgebühr vom Bruttoertrag des Fonds – vor Abzug der Verwaltungskosten von 1 bis 2 Prozent im Jahr. Durch diesen Trick liegt der Erfolg, mit dem die Manager ihre Gebühren berechnen, deutlich höher als das, was Anleger als Erfolg zu sehen bekommen.

Der Trick mit dem Zeitfenster

Besonders undurchsichtig werden Erfolgsgebühren, wenn sie sich nicht auf ein Jahr, sondern auf kürzere Zeiträume beziehen. Je kürzer das Intervall, desto günstiger für den Anbieter. Der Fondsmanager kann sich sogar animiert fühlen, hohe Risiken einzugehen, um kurzzeitige Erfolge zu erzielen. So kassierten zum Beispiel der AHW Top Dividende International A im Berichtsjahr 2007 laut Rechenschaftsbericht mehr als 330 000 Euro Erfolgsgebühr, obwohl er auf Jahressicht nicht einmal die 0-Prozent-Hürde übersprungen hatte. Die Gebühr verdankt die Fondsgesellschaft der vierteljährlichen Abrechnungsmethode. Doch es geht noch schlimmer: Mittlerweile hat sie auf monatliche Betrachtungsweise umgestellt.

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