Investmentfonds Test

Mischen ist bei der Geld­anlage Pflicht. Anleger machen es am besten selbst. Fonds­manager liefern meist keine über­zeugenden Ergeb­nisse.

Viele Anleger wählen Misch­fonds, um mit moderatem Risiko die Chancen der Aktienmärkte zu nutzen. Die Idee ist richtig, doch die Rechnung geht nur teil­weise auf.

Misch­fonds der Schlager für Privat­anleger

Misch­fonds sind Verkaufs­schlager. In keine andere Fonds­gruppe floss im vergangenen Jahr so viel frisches Kapital von privaten Anlegern. Ihre Euphorie ist angesichts nied­rigster Zinsen und boomender Aktienmärkte auch verständlich. Misch­fonds scheinen bequem, denn sie kombinieren Zins­papiere und Aktien in einem Produkt. In Zeiten boomender Aktien- und Anleihemärkte schafft so gut wie jeder Misch­fonds einen deutlichen Wert­zuwachs. Den meisten Anlegern reicht das. Da ihnen oft ein Vergleichs­maßstab für die Fonds­entwick­lung fehlt, haben Banker und Fonds­manager leichtes Spiel und können den Erfolg ihrer Produkte unwider­sprochen feiern. Doch bei genauer Analyse war die Wert­entwick­lung der meisten Misch­fonds in den vergangenen fünf Jahren enttäuschend. Das zeigt unser Fonds­test, in dem wir die Fonds mit einfachen fixen Mischungen aus Aktien- und Anleihenindizes vergleichen. Für Anleger, die ihre Depot­mischung mit sehr über­schaubarem Aufwand selbst in die Hand nehmen, gibt es sogar eine bessere Lösung. Statt einen Misch­fonds zu kaufen, müssen sie nur zwei Indexfonds kombinieren. Details im Test Selbst Fonds mischen, Finanztest 6/2015.

Markt­führer mit hohen Kosten

Viele Misch­fonds können wir schon deshalb nicht empfehlen, weil sie zu teuer sind. Ihre jähr­lichen Verwaltungs­kosten sprengen oft die 2-Prozent-Marke, ganz zu schweigen von den zusätzlichen Erfolgs­gebühren, die es bei Misch­fonds recht häufig gibt. Ein Beispiel ist der von Union Investment aufgelegte und über Genossen­schafts­banken verkaufte „PrivatFonds: Kontrolliert“. Der Fonds ist noch keine fünf Jahre alt und damit zu jung für unsere Fonds­bewertung. Er war im vergangenen Jahr der Kassen­schlager schlecht­hin. Anleger haben mehr als zwei Milliarden Euro neu investiert. Da kein Ausgabe­aufschlag anfällt, halten viele den Fonds für ein Schnäpp­chen. Doch der Eindruck täuscht. Im Jahr 2014 summierten sich die Kosten, die aus dem Fonds­vermögen entnommen werden, auf stolze 3,8 Prozent. Eine in Zeiten nied­rigster Zinsen besonders hohe Erfolgs­gebühr hatte daran erheblichen Anteil. Die Banken, bei denen der Fonds im Depot liegt, erhalten eine deutlich höhere jähr­liche Provision als zum Beispiel für den „UniStrategie: Konservativ“. Der Verkaufs­erfolg des „PrivatFonds: Kontrolliert“ dürfte also kein Zufall sein. Dabei wären Anleger mit dem UniStrategie: Konservativ besser bedient, denn dieser Fonds hat eine Top-Bewertung und erhebt keine Erfolgs­gebühr.

Risiko­profil als Richt­schnur

Finanztest untersucht Misch­fonds seit vielen Jahren. Wie alle anderen Fonds auch bewerten wir sie nach dem Chance-Risiko-Verhältnis inner­halb ihrer Fonds­gruppe Produktfinder Fonds. Anleger können jeden Fonds mit einer Mischung aus Aktien- und Anleihenindizes vergleichen, die dem Risiko­profil der Gruppe entspricht. Sie können diese Indizes in vereinfachter Form nach­bilden, allerdings nicht ganz kostenlos. Unsere Analysen zeigen, dass sich dadurch an der Grund­tendenz nichts ändert: Eigene Mischungen aus Aktien- und Renten-ETF bleiben, was das Verhältnis von Rendite und Risiko angeht, erste Wahl. Es gibt defensive, ausgewogene und offensive Misch­fonds. Vor allem die maximale Aktienquote eines Fonds entscheidet darüber, in welcher Gruppe er landet. Inner­halb der Gruppen schaffte es in den vergangenen fünf Jahren kaum ein Misch­fonds, die Wert­entwick­lung seines Referenz­indexes zu über­bieten – ganz zu schweigen vom ungüns­tigeren Verhältnis aus Risiko und Ertrag. Dennoch wollen viele Anleger partout nicht auf ein aktives Fonds­management verzichten. Sie versprechen sich davon zum Beispiel, dass ein Manager die Aktienquote vor einem Börsen­einbruch recht­zeitig senkt. Unsere Erfahrung zeigt, dass sich Anleger darauf besser nicht verlassen.

Vorsicht bei flexiblen Misch­fonds

Flexible Misch­fonds sind für Anleger problematisch, die ihr Risiko kontrollieren wollen, denn die Fonds haben keine fest­gelegten Grenzen für den Aktien­anteil. Da sind uns klare Mindest- oder Maximalquoten für den Aktien­anteil lieber. Sie geben Anlegern eine Orientierung, die er dringend braucht, um sein Vermögen über­legt aufzuteilen. Unter den Flexiblen gibt es einige bekannte und bei Anlegern beliebte Fonds, wie den Floss­bach von Storch Multiple Opportunities. Mit durch­schnitt­lich gut 12 Prozent pro Jahr brachte er auf Fünf­jahres­sicht ähnlich viel wie die besten offensiven Misch­fonds. Die Bewertung für alle flexiblen Misch­fonds stehen im Produktfinder Fonds.

Über­gänge sind fließend

Investmentfonds Test

Für jeden Anleger­typ gibt es die passende Mischung – von vorsichtig bis risiko­betont.

Im Produktfinder Investmentfonds finden Sie die besten Misch­fonds geordnet nach Risiko­gruppen vor. Die Wert­entwick­lung zwischen diesen Gruppen zu vergleichen, ist meist nicht sinn­voll, denn die Renditen wurden mit unterschiedlichen Risiken erzielt. Die Über­gänge sind natürlich fließend. Hinzu kam in den vergangenen Jahren ein weiterer Effekt: Die sinkenden Zinsen ließen die Kurse von Anleihen stark steigen. Manche defensiven Misch­fonds erzielten so eine ähnlich gute Wert­entwick­lung wie ihre Konkurrenten mit Aktien­schwer­punkt. Dass die Kurse von Aktien und Anleihen über einen längeren Zeitraum im Gleich­schritt so stark nach oben marschieren, ist eher untypisch für Finanzmärkte. Der Reiz von Misch­fonds liegt normaler­weise darin, dass die eine Anla­geklasse die Schwäche der anderen abfedern kann.

Defensive Misch­fonds für Vorsichtige

Die defensiven Misch­fonds aus unserer Bestenliste enthalten bis zu 40 Prozent Aktien. Das Risiko, das Anleger damit eingehen, ist begrenzt. In den vergangen fünf Jahren hätten sie kaum Geld verloren, wenn sie einen unserer Top-Fonds beispiels­weise zum ungüns­tigsten Zeit­punkt gekauft und wieder verkauft hätten. Im Zuge der Finanz­krise wären allerdings höhere Verluste möglich gewesen, beim risiko­reichsten Top-Fonds, dem österrei­chischen Kepler Vorsorge Mixfonds (A), zwischen­zeitlich sogar 27 Prozent. Er hat auf Fünf­jahres­sicht auch die beste Wert­entwick­lung in der Fonds­gruppe, indem er das erlaubte Aktienrisiko voll ausschöpft. Durch­schnitt­lich 10,4 Prozent pro Jahr sind für einen defensiven Misch­fonds eine stramme Leistung Porträt Kepler Vorsorge Mixfonds. Auch mit den Fonds UniStrategie: Konservativ, Jyske Stable Strategy und DWS Concept ARTS Conservative konnten Anleger mehr erzielen als mit den meisten Rentenfonds.

Ausgewogene Fonds als Kompromiss

Ausgewogene Misch­fonds dürften für viele Anleger der ideale Kompromiss sein. Chancen und Risiken halten sich die Waage. Eine etwa 50-prozentige Aktienquote schafft ein gutes Gegen­gewicht zu dürftigen Zins­erträgen, und bei einem auch in Zukunft immer möglichem Crash wären die zwischen­zeitlichen Verluste nicht gar zu schmerzhaft. Unter den empfehlens­werten Misch­fonds mit mitt­lerem Risiko fällt der MFS Meridian Global Total Return A2 USD auf. Im Fünf­jahres­rück­blick erzielte er die beste Wert­entwick­lung seiner Gruppe. Er ist dafür aber ein etwas höheres Risiko einge­gangen.

Offensive Misch­fonds für Mutige

Die offensive Variante ist nur etwas für Anleger, die auch dann noch ruhig schlafen können, wenn ihr Depot zwischen­durch tief in den roten Zahlen steht. Zur Orientierung: Nach der Finanz­krise 2007 waren manche offensiven Misch­fonds mit fast 40 Prozent ins Minus gerutscht.

Guter Fonds mit Ausrichtung Europa

Ein bei vielen Anlegern bekannter Misch­fonds taucht in unserer Bestenliste nicht auf, obwohl an seinem Chance-Risiko-Verhältnis nichts auszusetzen ist. Der Allianz Kapital Plus konzentriert sich auf Europa und passt nicht in die Gruppe der global ausgerichteten Misch­fonds. Das einge­schränkte Anla­gespektrum erweist sich aber nicht als Makel. Inner­halb seiner Gruppe ist der Fonds stark über­durch­schnitt­lich. Eine Bewertung für alle Misch­fonds Europa sowie detaillierte Informationen zu vielen weiteren Misch­fonds, die nicht welt­weit anlegen, finden Anleger in unserem Produktfinder Investmentfonds.

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