Investmentfonds Meldung

Die Fusion von Activest und Pioneer lag nahe. Beide Fondsgesellschaften gehören jetzt zur Großbank Unicredit.

Die Fondsmarken Activest, Adig und dit verschwinden vom deutschen Markt: Mindestens 440 Fonds erhalten neue Namen. Einige werden zusammengelegt, andere aufgelöst.

Die Fondsbranche sortiert sich neu: Investmentgesellschaften fusionieren oder strukturieren sich um. In der Folge verabschieden sich auch die Marken Activest, Adig und dit vom Markt.

Was sich damit für die Anleger ändert, hängt von der Fondsgesellschaft ab:

Adig und dit: Für Sparer, die in dit- oder Adig-Fonds investiert haben, ändert sich nur der Fondsname. Die internationale Wertpapierkennnummer Isin und die Anlagestrategie ihrer Fonds bleiben gleich.

Activest: Anleger, die bestimmte Fonds der Hypovereinsbank-Tochter Activest im Depot haben, sind sehr viel stärker betroffen. In nächster Zeit sollen 34 Fonds entweder mit anderen verschmolzen oder aufgelöst werden. Das ist etwa jeder vierte Activest-Fonds. Außerdem werden alle Activest-Fonds in Pioneer umbenannt. Hintergrund ist die Übernahme der Hypo-vereinsbank durch die italienische Großbank Unicredit. Sie bietet selbst schon lange mit ihrem Tochterunternehmen Pioneer Fonds an. Nun legt sie die beiden Fondsgesellschaften zusammen.

Vier Activest-Fonds schließen bald

Für vier Activest-Fonds steht schon fest, wann sie aufgelöst werden (siehe Tabelle „Vor der Schließung“). Die Investmentgesellschaft stellt zu diesem Datum die Ausgabe und Rücknahme der Fondsanteile ein.

Eine Auflösung ist jedoch keine Pleite. Es ist so gut wie ausgeschlossen, dass der Wert der Fondsanteile deshalb von heute auf morgen abstürzt. Das vom Fonds investierte Geld steckt schließlich in Wertpapieren, und die behalten ihren Wert.

„Die Mehrzahl der Fonds wird nicht aufgelöst, sondern mit anderen zusammengelegt. Von der Fusion sind nur in Luxemburg aufgelegte Fonds betroffen“, sagt Michael Finkbeiner von Pioneer Investment. „Die Anleger informieren wir über Fusionen mindestens vier Wochen vorher.“ Eine Schließung muss die Gesellschaft 13 Monate vorher im elektronischen Bundesanzeiger (siehe www.ebundesanzeiger.de) und im Jahresbericht oder Halbjahresbericht bekanntgeben. Diese Frist soll gewährleisten, dass Anleger, die den Fonds gekauft haben, sich auf die bevorstehende Schließung einstellen können.

Fristen für Fusionen kürzer

Das Finanzamt bewertet eine Fondsschließung wie einen Verkauf der Anteile. Anleger, die ihren Fonds weniger als zwölf Monate im Depot hatten, müssen Kursgewinne versteuern. Eine Fusion wirkt sich dagegen steuerlich nicht aus.

Die Informationsfristen hierfür sind auch kürzer: „Fusionen sind nur zum Ende des Geschäftsjahres des übertragenden Fonds möglich und müssen drei Monate vorher unter anderem im Bundesanzeiger bekanntgegeben werden“, sagt Anja Neukötter von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin).

Erlaubt sind Fondsfusionen in Deutschland überhaupt erst seit 2004. Deutsche Investmentgesellschaften dürfen seitdem Fonds zusammenlegen, wenn sich ihr Anlageschwerpunkt und ihre Kosten „nicht wesentlich“ voneinander unterscheiden. Ob zwei Fusionskandidaten zusammenpassen, prüft die Aufsichtsbehörde Bafin. Sie muss jede Fusion genehmigen, Schließungen dagegen nicht.

Egal ob Fusion oder Schließung – gut informiert werden Anleger, die ihr Depot direkt bei der Fondsgesellschaft haben. „Wir benachrichtigen unsere Anleger bei einer Fondsauflösung 13 Monate vorher“, sagt Michael Finkbeiner von der Fondsgesellschaft Pioneer Investment.

Manche werden spät informiert

Viele Sparer sind nicht so gut dran: Wer sein Depot bei einer Filial- oder Direktbank hat, wird oft später informiert.

Die Direktbank Cortal Consors war vorbildlich und hat bereits Anfang Januar ihre Anleger wegen der Auflösung des Activest LogistikWorld angeschrieben. Die DAB Bank informiert ihre Kunden erst einige Monate vor der Schließung. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Anleger ansonsten nicht reagieren“, sagt Jürgen Eikenbusch von der DAB Bank.

Vor einer Auflösung bieten die Gesellschaften an, kostenlos in einen Alternativfonds zu wechseln. Dazu sind sie zwar gesetzlich nicht verpflichtet. Doch bevor sie das Vermögen an die Anleger zurückzahlen, versuchen sie, die Kunden zu halten.

Für den Branchenfonds Activest LogistikWorld empfiehlt Pioneer den Activest GlobalSelect C, einen internationalen Aktienfonds. Finanztest bewertet die Qualität des Fonds mit 75,9 Punkten als stark überdurchschnittlich. Anleger sollten aber prüfen, ob sie einen Branchenfonds durch einen internationalen Aktienfonds ersetzen wollen.

Kunden mit einem Depot bei der Fondsgesellschaft Pioneer können kostenlos auch in jeden anderen Fonds der Gesellschaft umsatteln. Das ist kulant. Normalerweise müssen Anleger, die nicht in den vorgeschlagenen Alternativfonds wechseln, die Differenz zwischen dem Ausgabeaufschlag des alten und des neuen Fonds zahlen.

Schlechter dran sind Anleger, die ihr Depot bei der Haus- oder Direktbank haben. Ob sie ohne Ausgabeaufschlag in einen anderen Fonds wechseln dürfen, legt ihre depotführende Stelle fest.

Allianz für dit,  Cominvest für Adig

Für dit- und Adig-Fonds ändert sich nur der Name. „Die Umbenennung erfolgt in zwei Schritten. Zuerst erhalten alle dit-Fonds den Zusatz Allianz. Im zweiten Schritt wird der Name dit gestrichen“, sagt Matthias Jansen von Allianz Global Investors. Den Namen wechseln die Fonds, weil der Mutterkonzern Allianz Privat- und Firmenkundengeschäft zusammengelegt hat.

Als „reine Marketingmaßnahme“ beschreibt die Fondsgesellschaft Cominvest ihre Umbenennungen. Sie schaffte kürzlich die Marke Adig ab. Alle Fonds der Gesellschaft tragen nun den Namen Cominvest. „Betroffen waren etwa 50 Adig-Fonds“, sagt Anette Klages von Cominvest. Fondsschließungen gab es auch. Aber die gingen schon im vergangenen Jahr über die Bühne.

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