Investieren in Rohstoffe Test

Ein begehrtes Metall: Der Preis für Kupfer hat sich in den vergangenen 18 Monaten verdoppelt.

Die weltweite Nachfrage nach ­Roh­stoffen ist enorm – und sie scheint noch immer anzuziehen. Anleger können mit Aktien, Fonds und Zertifikaten dabei sein.

China giert geradezu nach Rohstoffen. Ein Fünftel dessen, was die gesamte Welt an Aluminium, Zink und Kupfer verbraucht, geht nach China. China ist der weltgrößte Importeur von Eisenerz. In fünf Jahren wird das Land so viel Öl verbrauchen wie heute Europa. Es plant zudem den Bau Dutzender Atomkraftwerke.

China wächst und das Wachstum scheint kein Ende zu haben. Über die Hälfte aller Baukräne der Welt, sagt man, stehen im Reich der Mitte. Alle vier Jahre werde entlang der Ostküste eine neue Millionenstadt aus dem Boden gestampft.

Die eigenen Bodenschätze reichen für einen solchen Bedarf nicht aus, weswegen die Chinesen auf dem Weltmarkt teilweise die Bestände leer kaufen. „Wie ein Staubsauger saugen sie auf, was sie bekommen können“, sagt Fondsmanager Norbert ­Faller von Union Investment.

Klar, dass die Preise steigen. „Was China herstellt, wird billig, was China braucht, wird teuer“, heißt es in der Branche. Die Commerzbank hat es aufgelistet: Kupfer war im März 2005 12 Prozent teurer als im Vorjahr, Nickel 18 Prozent, Aluminium 20 Prozent, Zink 25 Prozent, Öl 57 Prozent.

Material fürs Depot

Investieren in Rohstoffe Test

Öl ist ein gutes Geschäft – vor allem die Aktien der Energiekonzerne legten zu.

Öl ist ein gutes Geschäft – vor allem die Aktien der Energiekonzerne legten zu.

Anleger, die auf den Zug aufspringen und Geld mit dem Rohstoffboom verdienen wollen, können sich an den Unternehmen beteiligen, die die Rohstoffe fördern, oder direkt auf einen weiteren Preisanstieg von Öl oder Industriemetallen spekulieren.

Nachdem die Hausse nun bereits zwei Jahre andauert, stellt sich die Frage, ob der Zug nun erst richtig Fahrt aufgenommen hat oder schon wieder in den Bahnhof einfährt. Schließlich gab es an den Rohstoffmärkten im April bereits Kurskorrekturen.

„Im letzten Jahrhundert haben wir eher längere Rohstoffzyklen gesehen, die durchschnittlich 18 Jahre dauerten“, zeigt sich Oliver Plein von der Fondsgesellschaft DWS jedoch optimistisch. „Entsprechend würden wir uns jetzt in einer frühen Phase befinden.“

Auch die fundamentale Lage spricht für weitere rasante Fahrt. „Die Nachfrage aus China und übrigens auch aus Indien wird weiterhin hoch bleiben“, sagt Oliver Plein. Ob das Wachstum 5, 7 oder 9 Prozent beträgt, sei dabei zweitrangig.

Auch auf den Westen kommt es an

Nach Ansicht von Norbert Faller wird Asien überschätzt. „Viel entscheidender ist, was in der westlichen Hemisphäre geschieht“, sagt er. „Wenn die Konjunktur dort stabil verläuft, dann können die Unternehmen mit nahezu 100-prozentiger Auslastung arbeiten. China und Indien kommen obendrauf.“

„Die USA werden immer wieder unterschätzt“, sagt auch Ute Speidel, Fondsmanagerin beim dit. „Deren Wirtschaft ist letztes Jahr um fast 5 Prozent gewachsen, womit kaum jemand gerechnet hat. Und Japan hat den Umschwung geschafft.“

Die hohe Nachfrage aus Ost und West trifft auf ein knappes Angebot. „Die Lagerbestände vieler Industrierohstoffe gehen teilweise gegen null“, sagt Norbert Faller. „Bis neue Förderkapazitäten aufgebaut sind, dauert es vier bis acht Jahre. Jetzt rächt sich, dass die Branche in den 90er Jahren kaum investiert hat.“ Die Rohstoffkonzerne waren Old Economy – und bei den Investoren so gut wie abgeschrieben.

Ute Speidel ist verantwortlich für den dit-Rohstofffonds und den dit-Energiefonds. „Sicherlich haben die Minengesellschaften jetzt Aufholpotenzial“, sagt sie. „Ich glaube, dass der Ölpreis weiterhin hoch bleiben wird, auch wenn die Analysten seit fünf Jahren davon sprechen, dass der Preis wieder sinken müsste.“ Auch das ist ein Unterschied zur New Economy, der vor allem Wachstum vorausgesagt wurde.

Auf Preise oder Firmen setzen

Anleger, die sich für Fonds interessieren, sollten auf deren Schwerpunkte achten. Oft konzentrieren sich die Fondsmanager nämlich auf ein Thema, auf Öl (Energy) ­– übrigens der Renner im vergangenen Jahr – oder auf Metall (Metals & Mining).

Der Fonds UniSector BasicIndustries von Norbert Faller investiert auch in Stahl- und Maschinenbaukonzerne. Der DWS-Rohstofffonds hat mit Dow Chemical, BASF, Bayer und DuPont de Nemours gleich vier Chemieriesen unter den Top Ten.

Der Dynalion Minergior hat knapp ein Drittel Gold im Portfolio, der Fondiro von Adig knapp 10 Prozent Aktien aus der Holz- und Papierbranche. Die Balzac-Fonds setzen auf die Indizes der Energie- und Rohstoffaktien (siehe Grafik).

Nicht immer entwickeln sich Aktien so wie die Rohstoffpreise. Wer Ende März 2002 zum Beispiel darauf spekulierte, dass der Ölpreis steigen würde, hätte mit Ölaktien Geld verloren: Rund 15 Prozent gaben die Papiere der Ölkonzerne an der Börse bis Jahresende nach. Der Preis für Öl stieg in derselben Zeit um mehr als 17 Prozent.

Die DWS bietet seit kurzem einen Fonds an, der vor allem auf die Preise der Rohstoffe setzt. Der Invest Commodity Plus (Isin LU 021 030 392 0) kauft Futures und Optionen an den Warenterminbörsen.

Die Fondsgesellschaften Axa IM und BNP Paribas haben einen börsengehandelten Indexfonds auf den Rohstoffindex GSCI von Goldman Sachs aufgelegt (Isin LU 020 324 341 4). Zuletzt hat der GSCI in einem Jahr 35 Prozent Plus gemacht. Eine Alternative sind Indexzertifikate.

Auch wer auf einzelne Preise spekulieren will, kauft Zertifikate. Es gibt sie vor allem für Öl und Gold, aber auch für Aluminium oder Kupfer. Privatanleger begeben sich auf ein gefährliches Terrain, zumal viele Zertifikate die Preisentwicklung nicht eins zu eins wiedergeben, sondern Gewinne wie auch Verluste vervielfachen.

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