Interview zum Thema Schulrecht Meldung

Klassen­arbeiten sorgen oft für Stress bei Schülern und Eltern. Nicht für jeden schön ist auch, wenn der Lehrer die Noten aller Schüler vorliest. Was erlaubt ist und was nicht, sagt die auf Schulrecht spezialisierte Anwältin Anne Kröger im Interview mit test.de.

Tests müssen nicht angekündigt werden, Klassen­arbeiten schon

Wie viele Klassen­arbeiten dürfen an einem Tag geschrieben werden?

Kröger: Das hängt von der Schulform ab und davon, in welchem Bundes­land ein Kind zur Schule geht. In fast allen Schulgesetzen steht, dass sich die Arbeiten gleich­mäßig über das Jahr verteilen sollten. In Berlin und Sachsen gilt für die Grund­schule und Sekundar­stufe: nicht mehr als drei Klassen­arbeiten in der Woche. Im Saar­land oder in Nord­rhein-West­falen sind es beispiels­weise höchs­tens zwei pro Woche. In Baden-Württem­berg gibt es noch eine Sonder­regelung. Hier dürfen in den 3. und 4. Klassen direkt nach den Ferien und nach Sonn- und Feier­tagen keine Klassen­arbeiten geschrieben werden.

Wie sieht es mit Tests aus?

Kröger: Tests sind kurze Leistungs­kontrollen, die 30 Minuten nicht über­schreiten sollten. Sie dürfen immer statt­finden, auch am selben Tag wie Klassen­arbeiten. Tests müssen die Lehrer nicht vorher ankündigen.

Muss der Lehrer eine Klassen­arbeit vorher ankündigen?

Kröger: Ja, das muss er. Der Termin der Klassen­arbeit und ihr inhalt­licher Schwer­punkt sind mindestens eine Woche vorher anzu­kündigen. Die Rege­lungen hierzu stehen meist nicht in den Schulgesetzen der Länder, sondern in Verordnungen oder Erlassen.

Noten fallen unter das Daten­schutz­gesetz

Darf der Lehrer Noten vorlesen?

Kröger: Der Notenspiegel muss anonym sein. Das Vorlesen der Noten einzelner Schüler ohne deren Einwilligung ist unzu­lässig. Dies stellt als Nutzung personenbezogener Daten einen Verstoß gegen das Daten­schutz­gesetz dar. Viele Bundes­länder schreiben einen Notenspiegel vor – manche aber erst ab einer bestimmten Klassen­stufe, wie etwa in Berlin ab der 5. Klasse.

Wie informieren sich Eltern am besten über die Rege­lungen?

Kröger: Die Schulbehörden müssten wissen, in welcher Verordnung das jeweilige Bundes­land die Leistungs­kontrollen geregelt hat. Der erste Ansprech­partner sollte immer der Lehrer sein – vor allem wenn Eltern das Gefühl haben, kurz vor den Ferien oder den Zeug­nissen fallen in wenigen Tagen besonders viele Arbeiten an.

Dieser Artikel ist hilfreich. 20 Nutzer finden das hilfreich.