Interview zum Handbuch Medikamente Arzneimittelrisiken sind jetzt besser einzuschätzen

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Zum Fall Vioxx: Funktioniert am Markt die Arzneimittelinformation nicht?

Noch Ende April hat die EU-Zulassungsbehörde erneut auf die Risiken für Herz-Kreislauf-Patienten hingewiesen – es fehlen aber oft unabhängige Stimmen, die das an alle Beteiligten weiterleiten.

Wäre Vioxx durch strengere Regeln zu retten gewesen?

Nein. Schon 2002 finden sich im Beipackzettel Warnhinweise für Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wenn das nicht ausreicht, sind Patienten nur durch eine Rücknahme oder ein Verbot zu schützen.

Warum ist es so schwierig, Nutzen und Risiken von Arzneimitteln abzuschätzen?

Die für die Zulassung geforderten klinischen Studien werden meist an Patienten durchgeführt, die nicht unbedingt den üblichen entsprechen: kaum Ältere, weniger Frauen, kaum Patienten mit typischen Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes. Studien laufen in der Regel über kurze Zeit. Auch bei Vioxx ergaben sich erst in einer Langzeitstudie die ersten handfesten „Beweise“ für „schwerwiegende Ereignisse“.

Sollte also bei Neueinführungen Zurückhaltung geübt werden?

Wer auf Nummer Sicher gehen will, hält sich an Mittel mit den meisten Daten, deren Wirksamkeit und Verträglichkeit auch bei Langzeitanwendung sicher abgeschätzt werden kann – „Altbekanntes“ und Bewährtes, also Standardtherapeutika. Hier bedeutet „alt“ oft „sicherer“.

Muss man einige Nebenwirkungen in Kauf nehmen?

Die Bewertung eines Präparats fällt positiv aus, wenn erwünschte Wirkungen die unerwünschten überwiegen. Häufig kann Dosisverminderung ein Risiko verringern oder vermeiden helfen. Manchmal muss auch die Therapie umgestellt werden.

Wie nachhaltig sind wissenschaftliche Einschätzungen von Arzneimitteln?

Medizinisches Wissen unterliegt stetem Wandel. Forschung und medizinische Erfahrung können die Wahrheiten von heute in Irrtümer von morgen verkehren. Das bedeutet eine ständige Informationspflicht der Beteiligten und die Ausrichtung der Therapie nach glaubwürdigen, wissenschaftlich begründbaren Leitlinien. Aber auch Patienten müssen den Wandel erkennen und sich informieren: Das Handbuch Medikamente bietet hierfür umfassende und gleichzeitig verständliche Informationen, die den derzeitigen Wissensstand wieder­geben. Unter www.medikamente-im-test.de als notwendige Ergänzung zudem über die aktuellen Entwicklungen informiert.

Ein Tipp als Lesehilfe?

Das Handbuch Medikamente ist ein sehr praxisnahes Nachschlagewerk: Während Beipackzettel mögliche unerwünschte Wirkungen nur aufzählen, erhält der Leser hier zum Beispiel eine präzise Einschätzung der „Gefährlichkeit“ einer Arzneimittelnebenwirkung – und eine ganz konkrete Anleitung, wie er sich dann verhalten soll.

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