Interview mit Renate Künast Meldung

Renate Künast im Gespräch mit test-Redakteurin Vera Kaftan.

test sprach mit Renate Künast, Ministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft zu Fragen der Sicherheit von Lebensmitteln.

Frau Künast, Stichwort BSE. Sind die Kontrollen für die Sicherheit der Nahrung ausreichend?

Ich denke, dass hier in der Vergangenheit nicht genug getan wurde, sowohl bei den Futter- als auch bei den Lebensmittelkontrollen. Die Überwachungsbehörden dürfen nicht mehr die Spardose der Landeshaushalte sein ­ und die Bundesländer wissen das auch. Der Bund selbst wird zum Beispiel durch ein neu zu errichtendes Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zu einer Verbesserung der Situation beitragen.

Bekommt der Verbraucher mit dem Zutatenverzeichnis und der Kennzeichnung genug Information?

Das bisherige Kennzeichnungsrecht reicht hier überhaupt nicht aus. Das, was auf den Packungen draufsteht, gibt oft nur auf kryptische Weise wider, was drin ist. Es wird mit Abkürzungen gearbeitet, bei denen man schlicht feststellen muss, ein Abitur genügt noch nicht, um zu verstehen, was draufsteht und was drin ist. Und welcher Verbraucher kennt schon den Unterschied zwischen natürlichen, naturidentischen und synthetisch hergestellten Aromen? Ich halte eine kritische Überprüfung der vorhandenen Kennzeichnungsvorschriften und Produktlabels für unbedingt notwendig.

Sie wollen weitere Qualitätssiegel für Lebensmittel schaffen. Ist der Verbraucher mit den vielen Siegeln nicht ohnehin überfordert?

Verbraucherinnen und Verbraucher müssen Wahlfreiheit haben. Man muss Lebensmittel kaufen können, die sicher sind, aber auch Lebensmittel, von denen man Zusätzliches erwarten kann. Also Lebensmittel, bei deren Herstellung besondere Tierschutz- und Umweltschutzstandards eingehalten wurden. Das heißt, man muss auch die Chance haben, über die eigene Kaufentscheidung solche ökologischen und ethischen Anliegen mit zu unterstützen. Deshalb möchte ich zwei Qualitätssiegel einführen, die die Übersicht erleichtern: eines für Produkte aus dem ökologischen Landbau und eines für Lebensmittel mit bestimmten Mindeststandards aus konventioneller Landwirtschaft.

Stichwort Gentechnik. Wie könnte hier mehr Transparenz geschaffen werden?

Von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen sind gegenwärtig solche Zutaten oder Lebensmittel, die zwar aus gentechnisch veränderten Ausgangsprodukten hergestellt wurden, sich aber gegenüber dem konventionellen Lebensmittel nicht unterscheiden. So unterscheidet sich beispielsweise Sojaöl, das aus gentechnisch veränderten Sojabohnen hergestellt wurde, in seiner Zusammensetzung nicht von Sojaöl, das aus konventionell erzeugten Sojabohnen gepresst wurde. Die Forderung nach einer umfassenderen Kennzeichnungsregelung schließt dann auch solche Erzeugnisse ein.

Was kann der Verbraucher selber leisten, wenn es um die Sicherheit von

Lebensmitteln geht?

Es ist ganz sicher nicht schädlich, die wichtigsten Grundregeln der Lebensmittelhygiene zu kennen, wie zum Beispiel die Notwendigkeit, die Kühlkette einzuhalten oder bei der Zubereitung die Lebensmittel ausreichend hoch zu erhitzen und auf das Mindesthaltbarkeitsdatum zu achten. Die Vergleichstests der Stiftung Warentest wiederum stellen angesichts der Fülle der Angebote Transparenz auf den Märkten her. Damit nützt die Stiftung übrigens auch den Anbietern, weil bei ihnen Innovation und weiterer Leistungswettbewerb ausgelöst werden.

Was wünschen Sie sich von der Stiftung Warentest?

Ich wünsche mir, dass sie weiter wie bisher die Nase in den Wind hält, wenn es darum geht, hochwertige Verbraucherinformation auch zu neuartigen Produkten zu liefern. Mir liegt sehr daran, die Qualität unserer Lebensmittel weiter zu erhöhen, und hierbei suche ich Verbündete. Die Stiftung Warentest genießt nicht ohne Grund ein besonders hohes Vertrauen. Eine verstärkte Behandlung von Lebensmittelthemen könnte es den Verbrauchern erleichtern, Qualitätsunterschiede selbst besser zu erkennen. Deshalb würde ich es begrüßen, wenn die Stiftung Warentest Lebensmittel noch genauer unter die Lupe nehmen könnte ­ zum Beispiel auch unter dem Gesichtspunkt der tiergerechten Erzeugung. Ich denke, dass die Stiftung Warentest an einer stärker ökologisch orientierten Marktwirtschaft mitwirken könnte.

Dieser Artikel ist hilfreich. 164 Nutzer finden das hilfreich.