Interview Meldung

Dr. Franz-Georg Rips

Finanzinvestoren kaufen kommunale Wohnungen auf. Erst wird die Wohnung modernisiert, dann die Miete erhöht. So wollen sie Rendite machen. Dr. Franz-Georg Rips, Direktor des Deutschen Mieterbundes, sagt, wie Mieter sich gegen aufgezwungene Modernisierungen wehren können.

Finanztest: Warum kaufen ausländische Investoren Wohnungen in Deutschland?

Rips: Viele Wohnungsbestände in Deutschland sind unterbewertet, zudem gibt es viel internationales Kapital, das nach Anlagemöglichkeiten sucht. Wohnungen in guter Lage werden von diesen Heuschrecken zunächst gekauft, anschließend durch Modernisierungen hübsch gemacht. Später wird die Miete erhöht oder die Wohnung mit Gewinn verkauft. Renditen bis zu 25 Prozent auf das eingesetzte Eigenkapital sollen so erreicht werden.

Finanztest: Warum verkaufen die Kommunen?

Rips: Viele kriegen ihre Haushalte nicht ausgeglichen und wollen das schnelle Geld.

Finanztest: Droht Mietern dann stets die ­Kündigung nach dem Verkauf?

Rips: Nein. Wirtschaftsunternehmen können nie Eigenbedarf geltend machen. Aber wenn später der Investor an eine Privatperson weiterverkauft, droht eine Eigenbedarfskündigung. Denn ein solcher Kauf erfolgt ja meist zu dem Zweck, die Wohnungen selbst zu nutzen.

Finanztest: Worauf sollten Mieter achten, wenn die Wohnung einen neuen Eigentümer bekommt?

Rips: Sie sollten auf keinen Fall neue Mietverträge unterschreiben. Das ist häufig ein Trick, um neue vermieterfreundlichere Regelungen durchzudrücken. Die alten Mietverträge gelten bei einem Eigentümerwechsel natürlich weiter.

Finanztest: Darf der Vermieter nach einer ­Modernisierung die Miete erhöhen?

Rips: Ja. Er darf bis zu 11 Prozent der Moder­nisierungskosten auf die Jahresmiete draufschlagen. Und zwar dauerhaft.

Finanztest: Können sich Mieter wehren, wenn der Vermieter eine Wohnungsmodernisierung gegen ihren Willen vornehmen möchte?

Rips: Ja, wenn sie eine unzumutbare Härte ­bedeutet. Das ist etwa dann der Fall, wenn sich durch die zu erwartende Mieterhöhung die ­Miete mehr als verdoppelt und der Mieter nur ein geringes Einkommen hat. Er kann dann die Duldung der Modernisierung verweigern.

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