Interview Meldung

Jörg Weber, Chefredakteur von Ecoreporter.de

Für neue Windräder gibt es immer weniger Platz in Deutschland. Die Klagen häufen sich. Lohnt sich das Investment in Windkraftfonds noch? Finanztest sprach mit Jörg Weber, Chefredakteur von Ecoreporter.de, dem Branchendienst für ethisch-ökologische Geldanlagen.

Finanztest: Weichen die Anbieter von Windfonds nun auf miese Standorte aus?

Jörg Weber: Wenn sie das tun, erkennt der Anleger das an den Renditeprognosen in den Prospekten zu den Windfonds. Ein schlechter Standort hat wenig Wind, also wenig Rendite – daher dürfte er kaum verkäuflich sein. Viel drängender ist die Standortfrage für die Aktionäre der Firmen, deren Geschäft es ist, neue attraktive Standorte für Windfonds zu finden. Wenn die guten Standorte immer teurer werden, schrumpfen ihre Gewinne. Das schlägt sich im Aktienkurs nieder.

Finanztest: Worauf sollten Anleger achten, die in Windfonds investieren wollen?

Jörg Weber: Der Anbieter sollte mindestens drei Windgutachten vorlegen. Die Gutachter sollten unabhängig sein und nicht etwa Töchter der Fondsgesellschaft. Zugegeben – das ist nicht immer einfach zu durchschauen. Interessant ist auch, ob es eine Referenzanlage gibt, beispielsweise einen Windpark nebenan. Außerdem sollte der Anbieter einen ausreichenden Sicherheitsabschlag berücksichtigen und vom erwarteten Windertrag ungefähr 10 Prozent abziehen. Denn bei Wind weiß man nie.

Finanztest: Mit welcher Rendite können Anleger von Windkraftfonds rechnen?

Jörg Weber: Die Rendite hängt unter anderem vom eigenen Steuersatz ab. Lukrative Anlagen bringen für Anleger mit hohem Steuersatz bis zu 10 Prozent pro Jahr, vor allem an guten Küstenstandorten. Nur: Hier sind die besten Plätze bereits vergeben. Diese Windfonds haben oft ­sogar besser abgeschnitten als prognos­tiziert. Im Schnitt kann man mit etwa 5 Prozent pro Jahr rechnen, vor Steuern.

Finanztest: Wegen der zahlreichen Schäden an bestehenden Anlagen wollen einige Versicherer die Beiträge erhöhen. Wirkt sich das auf die Fonds aus?

Jörg Weber: Die höheren Beiträge werden die Renditen für die meisten Anleger nur wenig schmälern. Viel teurer kommen die Reparaturen. Neue Fonds sollten die Hersteller zu stärkeren Garantien und besserem Service verpflichten.

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