Interview Wie prüft das Finanz­amt?

21.07.2015
Interview - Wie prüft das Finanz­amt?
Unter die Lupe genommen: Reise­kosten und Anlage V © imago stock&people

Finanz­ämter prüfen zurzeit besonders intensiv erst­malige Einkünfte aus Vermietung und Reise­kosten, sagt Katharina Hecker, Sprecherin der Ober­finanzdirektion Nord­rhein-West­falen, im Gespräch mit Finanztest.

Papierformulare werden immer elektronisch erfasst

Wird jede einzelne Steuererklärung von einem Mitarbeiter geprüft oder über­nimmt das der Computer?

Alle auf Papier einge­henden Formulare werden zunächst elektronisiert. Bei Erklärungen über das elektronische Programm Elster entfällt das. Die Daten prüft dann der Computer mit verschiedenen Programmen auf diverse Plausibilitäten. Gibt es nichts zu bean­standen, ist die Prüfung erledigt.

Ersetzt der Computer den Beamten?

Die Programme ersetzen natürlich nicht den Faktor Mensch. Liegen aber alle für den Steuer­bescheid erforderlichen Fakten elektronisch vor, können wir uns in der Regel bei der Prüfung auf den Computer verlassen.

Einige Steuerzahler bekommen ihren Bescheid, bevor sie Belege einge­reicht haben. Kann das sein?

Das kann tatsäch­lich vorkommen. Zum Beispiel wenn jemand seine Steuererklärung elektronisch via Elster abgibt und alle nötigen Daten elektronisch vorliegen, etwa von der Kranken- und Renten­versicherung und die Lohn­steuer­bescheinigung – und sich kein weiterer Prüfungs­bedarf ergibt.

(Anmerkung der Redak­tion: Viele Belege müssen zunächst nicht einge­reicht werden. Siehe ELSTER-Merkblatt.)

Anlage V wird besonders kritisch geprüft

Stimmt es, dass bestimmte Sach­verhalte intensiver geprüft werden?

Ja, wir veröffent­lichen diese sogenannten Prüf­felder jedes Jahr im Internet. Aktuell wird besonders auf erst­malige Vermietungs­einkünfte geachtet. Vor allem darauf, dass die Anlage V korrekt gemacht ist. Einige Finanz­ämter prüfen wegen der aktuellen Gesetzes­änderung besonders die Reise­kosten.

Gibt es Steuererklärungen, die besonders über­prüft werden?

Alle Steuererklärungen werden in Risikoklassen einge­teilt. Dabei setzen wir sowohl auf EDV-Programme als auch auf die Erfahrung und das Urteils­vermögen unserer Sach­bearbeiter.

Werden Stich­proben gemacht?

Es geht natürlich nicht, dass jemand über Jahre Steuererklärungen abgeben kann, ohne dass da mal genauer hingeschaut wird. Von Zeit zu Zeit wird jeder Steuerfall gründlicher unter die Lupe genommen. Dafür haben wir ein System ausgetüftelt, bei dem auch der Zufall eine Rolle spielt.

21.07.2015
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