Interview Meldung

Thomas Isenberg, Leiter des Fachbereichs Gesundheit / Ernährung beim Verbraucherzentrale Bundesverband.

Die Krankenkassen werden kompliziert. Viele neue Wahltarife sollen helfen, Geld zu sparen. Lohnt das wirklich?

Die einfach erkennbaren Beiträge der Krankenkassen sind seit 1. April Vergangenheit. Müssen Kunden jetzt auch noch eine Vielfalt neuer Tarife studieren, um nicht zu viel zu zahlen?

Erst mal nicht. Die Kassen fangen gerade erst an, neue Angebote zu kalkulieren. Einige ködern schon mit Schnäppchenofferten. Wir raten davon ab. Wer sparen will, sollte sich erst mal zurücklehnen und die Entwicklung der nächsten Monate abwarten.

Schnäppchenpreise klingen aber doch erst einmal verführerisch.

Ja, zum Beispiel Rückzahlungstarife oder Selbstbehalte. Der Nachteil ist, dass der Kunde sich bei diesen Angeboten für drei Jahre fest bindet. Selbst wenn die Kasse ihre Beiträge erhöht, kann er nicht vorher heraus. Er kann zwar je nach Einkommen bis zu 600 Euro im Jahr sparen, wenn er nicht oder – bei Selbstbehalten – nur sehr selten zum Arzt geht. Aber das ist eine reine Spekulation auf die eigene Gesundheit. Und bei Rückzahlungstarifen dürfen auch mitversicherte volljährige Angehörige das ganze Jahr nicht zum Arzt, außer zu Vorsorgeuntersuchungen.

Welche neuen Angebote werden denn kommen?

Da ist jede Menge möglich. Zum Beispiel Beitragsrabatte für integrierte Versorgung, wo der Hausarzt eng mit Kliniken und Reha-Einrichtungen zusammenarbeitet. Oder Rabatte für Hausarztprogramme, vorbeugende Rückenkurse oder andere Maßnahmen. Hinzu kommen Beitragszuschläge für Tarife, die Homöopathie oder Heilpraktiker mitversichern. Viele Tarife werden nur eine einjährige feste Bindung verlangen.

Und wenn ab 2009 der neue Gesundheitsfonds kommt?

Dann werden die Karten ohnehin neu gemischt. Dann verlangen zwar alle Kassen denselben Satz, aber einige werden einen Zusatzbeitrag nehmen. Gerade deshalb sollte man sich jetzt nicht auf drei Jahre binden.

Also erst mal nicht viel Neues für Kassenpatienten?

So kann man es sagen. Immerhin werden seit 1. April Mutter- oder Vater-Kind-Kuren von der Kasse bezahlt, wenn der Arzt sie verordnet. Ebenso empfohlene Schutzimpfungen, außer wegen Fernreisen. Die Versorgung von Schmerzleidenden wurde verbessert, ebenso die Palliativversorgung von Schwerstkranken, damit sie bis zuletzt zu Hause leben können.

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