Interview Meldung

Michael Cunningham, Rechtsanwalt in Nürnberg.

Das neue Unterhaltsrecht bringt vielen Geschiedenen Einbußen beim Unterhalt vom Expartner.

Ab 2008 gilt beim Unterhalt Vorrang für die Kinder. Sind damit die unterhaltsberechtigten Expartner, in der Regel ja Frauen, die Verlierer der Reform?

Ja, aber der Vorrang für Kinder ist nur ein Punkt der Reform. Kinder stehen künftig im ersten Unterhaltsrang. Verdient der Mann so wenig, dass es nur für den Kindesunterhalt reicht, erhält die Exfrau nichts. Außerdem werden Zweitehen aufgewertet, viele Ge­schiedene müssen sich den bisherigen Unterhalt künftig mit der neuen Frau teilen.

Und der Betreuungsunterhalt, den Geschiedene bekommen, die ein Kind versorgen?

Da wird die Dauer der Unterhaltszahlung begrenzt. Bisher konnte eine geschiedene Mutter vollen Unterhalt vom Exmann jedenfalls so lange beanspruchen, wie sie ein gemeinsames Kind unter acht Jahren versorgte. Erst danach musste sie zumindest Teilzeit arbeiten. Und erst ab dem 16. Lebensjahr des jüngsten Kindes konnte ihr ein Vollzeitjob zugemutet werden. Ab 2008 gibt es Betreuungsunterhalt zunächst nur drei Jahre ab Geburt des Kindes. Das gilt dann übrigens auch für nicht verheiratete Mütter und Väter, die damit die eigentlichen Gewinner der Reform sind.

Und nach den drei Jahren?

Da kommt es darauf an, wie weit die Kinder sind. Das neue Gesetz geht – verkürzt gesagt – davon aus, dass ein normal entwickeltes dreijähriges Kind, ob ehelich oder nicht, einen Ganztagskindergarten besuchen und die Mutter arbeiten gehen kann.

Ein lebenslanger Unterhalt – wie bisher häufig – wird dann also die große Ausnahme sein?

Ja. Das kann noch in Betracht kommen, wenn zum Beispiel ein Partner wegen der Kinder dauerhaft auf eine eigene Karriere verzichtete. Aber zum Beispiel Unterhalt wegen Krankheit, we­gen Arbeitslosigkeit oder Aufstockungsunterhalt bei niedrigem Einkommen wird es künftig sehr viel seltener geben, und dann im Regelfall nur befristet oder in geringerer Höhe als früher.

Gilt das auch für längst geschiedene Ehen?

Prinzipiell schon. Für viele Unterhaltszahler kann es sich lohnen, diese Frage prüfen zu lassen. Vor allem bei kürzeren Ehen wird es zu Befristungen, zumindest aber zu Kappungen kommen. Da wird der Unterhalt dann nicht mehr an einem besonders guten Einkommen festgemacht, sondern am angemessenen Lebensbedarf des Berechtigten. Eine Steigerung des Gehalts wird nicht mehr fast automatisch höhere Unterhaltsansprüche bedeuten.

Was ist denn „kürzer“ und „angemessen“?

Schwer zu sagen. Viele Details müssen erst durch die Rechtsprechung geklärt werden. Das kann Jahre dauern. Bei unter 15 Jahren Ehe wird es wohl eher zulasten der Unterhaltsempfänger ausgehen – es sei denn, die Scheidung liegt lange zurück. Tendenziell werden besser verdienende Unterhaltszahler entlastet.

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