Interview Meldung

Dr. Karin Tondorf

Auf die 2,1 Millionen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes bei Bund und Kommunen kommen 2007 aufgrund des neuen Tarif­vertrags TVöD große Veränderungen zu. Die Details erklärt Dr. Karin Tondorf, Expertin für Entgelt- und Gleichstellungspolitik.

Finanztest: Was kommt 2007?

Tondorf: Statt Urlaubs- und Weihnachtsgeld bekommen Beschäftigte im November 2007 eine Einmalzahlung (Jahressonderzahlung) überwiesen. Sie fällt geringer aus als die Einmalzahlung, die sie 2006 erhalten hatten und die das Urlaubs- und Weihnachtsgeld für 2006 zusammenfasste. Bei Gutverdienern wird mehr gekürzt als bei den Geringverdienern. In Westdeutschland erhalten die Beschäftigten der neuen, höheren Entgeltgruppen 13 bis 15 nur eine Jahressonderzahlung in Höhe von 60 Prozent ihres Monatsentgelts. 2006 waren es noch rund 82 Prozent. Dazu kam das Urlaubsgeld. Im Tarifgebiet Ost erhalten alle als Jahressonderzahlung 75 Prozent (bisher 62 Prozent plus Urlaubsgeld). Zudem unterscheidet der TVöD nicht mehr zwischen Arbeitern und Angestellten. Statt Lohn und Gehalt heißt es jetzt Entgelt.

Finanztest: Was machen die öffentlichen Arbeitgeber mit dem eingesparten Geld?

Tondorf: Sie sollen daraus die neuen Leistungsentgelte finanzieren. Sie müssen ab 2007 zusätzlich zum Gehalt eine Leistungsprämie an leistungsstarke Beschäftigte verteilen. Wie Leistung gemessen wird und von wem, wird in betrieblichen Vereinbarungen bestimmt. In einem Bürgerbüro kann die Verringerung der Wartezeit ein Maßstab für Leistung sein, im Gartenbauamt die Pflege von Grünanlagen in einer bestimmten Zeit und Qualität. Wichtig wird sein, dass nachprüfbare Ergebnisse honoriert werden: Nur dann ist die Leistungsbezahlung transparent. „Nasenprämien“, die durch die klassische Beurteilung durch eine Führungskraft möglich wären, sollen ausgeschlossen werden.

Finanztest: Was passiert, wenn sich Personalrat und Arbeitgeber nicht auf Regeln zur Leistungsvergütung einigen?

Tondorf: Dann kommt die „Gießkannen“-Lösung. Die Arbeitgeber können das beim Weihnachtsgeld Gesparte nicht einfach einbehalten. Wenn es bis zum 31. Juli 2007 keine betriebliche Vereinbarung gibt, erhalten alle Beschäftigten unabhängig von ihrer Leistung im Dezember 2007 ­zusätzlich einen Betrag in Höhe von 12 Prozent ihres Septemberentgelts.

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