Interview Meldung

Caspar von Hauenschild

Das Unternehmen Siemens mit seinen schwarzen Kassen ist kein Einzelfall, berichten Korruptionsexperten wie Caspar von Hauenschild von der Organisation Transparency international. Die Strafverfolgungsbehörden sind auf Hinweise aus der Belegschaft angewiesen. Doch auch denjenigen, die Machenschaften melden, droht Ärger.

Finanztest: Wie kommt Korruption in ­Firmen üblicherweise ans Licht?

Von Hauenschild: In Europa werden über die Hälfte aller Wirtschaftsstraftaten aufgrund von Hinweisen aus der Firma selber oder von Außenstehenden entdeckt. So sind auch die schwarzen Kassen bei Siemens und DaimlerChrysler von Mitarbeitern aufgedeckt worden – und nicht durch ­firmeneigene Kontrollsysteme.

Finanztest: Was sollte ein Mitarbeiter tun, wenn er merkt, dass etwas nicht stimmt?

Von Hauenschild: Er sollte zunächst Beweise sichern und Zeugen finden. Sonst geht der Schuss schnell nach hinten los und er wird als Denunziant abgestempelt. Wer etwas entdeckt, sollte den Vorgesetzten informieren, sofern er ihm vertraut. Ist das nicht der Fall, sollten sich Mitarbeiter an Ombudsleute wenden. In manchen Firmen gibt es Hotlines mit Anonymitätssicherung. In einigen Bundesländern bieten auch das Verbraucherministerium und das Landeskriminalamt Hotlines an. Diese Angebote werden aber leider viel zu wenig in Anspruch genommen.

Finanztest: Ist die Geheimniskrämerei denn nötig?

Von Hauenschild: Ja, denn meist müssen Hinweisgeber am Ende den Arbeitsbereich oder sogar die Firma verlassen, auch wenn ihr Hinweis berechtigt war. Das liegt an der schwachen Führungskultur, die Konflikte der „vermuteten Anschwärzung“ nicht auffangen kann. Hinweisgeber sind oft nur mithilfe von außen wieder zu integrieren. Diese Kosten sparen sich Unternehmen gern und bieten lieber eine Versetzung an.

Finanztest: Sollte man also schweigen?

Von Hauenschild: Nein, das ist keine Lösung. Eine spätere Entdeckung kann auch jene treffen, die geschwiegen haben, selbst wenn sie längst in einem anderen Bereich arbeiten oder ausgeschieden sind. Ärger blüht in jedem Fall Führungskräften, die bei größeren Straftaten von Kollegen systematisch weggucken. Sie machen sich selbst strafbar. Mitarbeitern ohne Führungsverantwortung drohen zumindest unangenehme Fragen durch die Revisoren oder sogar eine Vernehmung durch den Staatsanwalt. Häufig bleibt dann auch ein schlechter Ruf als „Weggucker“ hängen.

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