Interview Meldung

Lars Gatschke

Am 1. November wird die europäische Finanzmarktrichtlinie Mifid in deutsches Recht umgesetzt. Lars Gatschke vom Verbraucherzentrale Bundesverband hatte sich mehr erhofft.

Finanztest: Herr Gatschke, was verbessert sich durch das neue Gesetz für Bankkunden?

Gatschke: Das Gesetz unterscheidet zwischen „beratenden und beratungslosen Dienstleistungen“. In die erste Kategorie fällt vor allem die Anlageberatung. Die Banken müssen ihre Kunden nun umfassend befragen und daraufhin prüfen, ob das Produkt für den Kunden geeignet ist und deshalb empfohlen werden kann. Fehlen Angaben oder passt das Produkt nicht, muss die Bank einen ausdrücklichen Warnhinweis geben.

Finanztest: Gelten die neuen Regelungen für alle Arten von Geldanlagen und erfassen sie alle Vertriebswege?

Gatschke: Leider nicht. Die geschlossenen Fonds werden nicht als Wertpapiere angesehen und sind deshalb vom gesamten Gesetz überhaupt nicht erfasst. Hingegen zählen die Anteile an Investmentfonds zwar zu den Wertpapieren, werden sie jedoch durch freie Fondsvermittler vertrieben, finden die neuen Vorschriften zur Anlageberatung keine Anwendung. Wir hätten uns hier ein einheitlich hohes Schutzniveau für alle Produkte und Vertriebsarten gewünscht.

Finanztest: Haben geschädigte Anleger nun bessere Möglichkeiten bei möglichen Gerichtsverfahren?

Gatschke: Die Probleme bleiben bestehen. Nach drei Jahren sind die Ansprüche des Anlegers verjährt. Vielfach bemerkt der Anleger seinen Schaden erst, wenn es zu spät ist. Hinzu kommt, dass er überhaupt nicht beweisen kann, was in seiner Beratung schiefgelaufen ist.
Da die Banken nach dem neuen Recht gegenüber Aufsichtsbehörden nachweisen müssen, dass sie alles richtig gemacht haben, sollten sie dies auch im Zivilverfahren tun müssen.

Finanztest: Die Richtlinie schreibt vor, dass Banken ihren Kunden Wertpapiere zum bestmöglichen Preis verschaffen müssen. Was bedeutet das? Können nun auch Fondsanleger auf günstigere Konditionen hoffen?

Gatschke: Das bestmögliche Ergebnis orientiert sich am Gesamtentgelt, also dem Preis für die Geldanlage und allen mit dem Auftrag verbundenen Kosten. Kann ein Auftrag an mehreren Börsenplätzen ausgeführt werden, zählen zu den Kosten auch die eigenen Provisionen oder Gebühren, die eine Bank vom Kunden verlangt. Leider gilt das alles nicht für den Kauf oder Verkauf von Fondsanteilen.

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