Interview Meldung

Stefan Loipfinger

Die offenen Immobilienfonds verordnen sich Transparenz. Nach CGI (Commerzbank), Deka (Sparkassen), Degi (Allianz) und Difa (Volksbanken) wollen auch die anderen Anbieter genauere Angaben zum Fondsvermögen machen. Fondsanalyst Stefan Loipfinger geht der Ansatz nicht weit genug.

Finanztest: Herr Loipfinger, die Gesellschaften wollen in ihren Rechenschaftsberichten nun ­detaillierte Angaben zum Wert der Immobilien in ihren Fonds machen. Ist das der große Durchbruch in Sachen Transparenz?

Loipfinger: Leider werden sie weiterhin keine Angaben über Einzelobjekte machen. Die Verkehrswerte sollen lediglich auf Länderebene aufgeschlüsselt und zusammengefasst werden, ebenso der Vermietungsstand, die Laufzeiten der Mietverträge und die Objektrenditen. Die Zahlen taugen nicht, um nachzuvollziehen, ob die Immobilien marktgerecht bewertet sind.

Finanztest: Ratingagenturen sollen die Daten aber bekommen, heißt es.

Loipfinger: Das wiederum haben nur die vier versprochen, die die Initiative gestartet haben – CGI, Degi, Deka und Difa. Ich habe nachgefragt. Erstaunlicherweise stehen nur CGI und Deka zu ihrem Wort. Degi und Difa werden keine Daten liefern. Dafür haben drei andere eine Zusammenarbeit zugesagt: DB Real Estate, Hansainvest und SEB. Die anderen halten sich weiterhin bedeckt.

Finanztest: Warum tun sich die Anbieter denn so schwer, die Daten offenzulegen?

Loipfinger: Für mich gibt es nur eine Erklärung: Die haben etwas zu verstecken.

Finanztest: Glauben Sie, dass es Fonds gibt, die ihr Immobilienvermögen falsch bewertet haben?

Loipfinger: Davon kann man ausgehen. Der Difa Grund zum Beispiel hat in 13 Jahren seinen Bestand zehnmal auf- und nur dreimal mimimal abgewertet, obwohl die Preise am Markt zwischendurch deutlich gesunken sind. Deshalb wäre es schon interessant, sich die Bewertungen im Einzelnen einmal anzuschauen.

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