Interview Meldung

Eckhard Schreiber-Weber

Eckhard Schreiber-Weber, Arzt und Vorstandsmitglied der Ärzteinitiative Mezis über zu hohe Kosten für Medikamente und was Ärzte und Patienten dagegen tun können.

Die Abkürzung Mezis bedeutet „Mein Essen zahl ich selbst“. Warum haben Mediziner diese Initiative gegründet?

Schreiber-Weber: Wir wollen, dass Ärzte ihre Verschreibungen ausschließlich am Wohl der Patienten ausrichten und sich nicht von Pharmafirmen beeinflussen lassen. Wer von Pharmafirmen Geschenke annimmt und sich teure Reisen, Essen in Hotels oder Studien finanzieren lässt, ist nicht mehr unbeeinflussbar.

Was können Ärzte tun, damit die Krankenkassen und damit am Ende die Versicherten nicht immer mehr Geld für Medikamente ausgeben müssen?

Schreiber-Weber: 2009 haben die gesetzlichen Kassen über 29 Milliarden Euro für Medikamente ausgegeben, für Arzthonorare waren es 24 Milliarden Euro. Dies ist eine völlige Schieflage. Eine ärztliche Behandlung ist mehr als die Verordnung von Medikamenten. Prävention, optimaler Einsatz von Heilmitteln und das Gespräch mit den Patienten sind mindestens ebenso wichtig. Die Ärzte sollten nicht so viele neue Medikamente verordnen, die nur Scheininnovationen sind, in Wirklichkeit aber keinen therapeutischen Fortschritt bringen und vor allem viel teurer sind. Zudem sind Scheininnovationen oft eine unsichere Therapie, ihre Wirkungen sind schlecht untersucht.

Sie unterscheiden sich oft nur in ein, zwei Molekülen von dem bisherigen Medikament und sind nur auf dem Markt, damit für sie der Patentschutz weiterhin gilt. Wenn der Patentschutz abgelaufen ist, werden Medikamente als sogenannte Generika preisgünstiger verkauft. Dies wollen die Pharmafirmen unter allen Umständen vermeiden; deshalb die Scheininnovationen.

Und was können die Patienten tun?

Schreiber-Weber: Wenn ihr Arzt ihnen ein neues Medikament verschreibt, sollten sie sich bei ihm erkundigen, warum er das bisher verschriebene und bewährte Medikament austauscht. Die Patienten sollten den Mut haben, ihren Arzt zu fragen: Ist das wirklich eine therapeutische Verbesserung?

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