Interview Meldung

Ulrich May, ADAC-Verbraucherschutzexperte

Auch beim Gebrauchtwagenkauf müssen Händler mindestens ein Jahr für alle Mängel haften, die sie vor dem Kauf nicht klar benannt haben. Mit Tricks versuchen sich aber viele aus der Pflicht zu stehlen. Das beobachtet ­Ulrich May vom ADAC.

Finanztest: Wie tricksen die Händler?

May: Die Händler wissen, dass sie nur für „vertragsgemäße“ Beschaffenheit eines Autos haften. Und so werden auch wertvolle Autos mitunter als „Schrott auf Rädern“ oder „Bastlerfahrzeug“ verkauft. Anderer Trick: Händler setzen heimlich eine Privatperson als Verkäufer im Vertrag ein oder machen den privaten Käufer zum gewerblichen. Der Hintergedanke: Beim rein privaten oder rein gewerblichen Geschäften darf die Haftung tatsächlich ausgeschlossen werden. Beim Verkauf vom Händler an privat aber nie.

Finanztest: Wie sollten Opfer solcher Tricks vorgehen?

May: Händler, die so tricksen, sind meist nicht zu Einigungsverhandlungen bereit. Opfer sollten deshalb schnell zum Anwalt, denn trotz Tricks müssen Händler in solchen Fällen meist haften. Setzt sich der betrogene Käufer durch, hat das auch den Vorteil, dass der Händler dann die volle gesetzliche Frist von zwei Jahren für Mängel geradestehen muss.

Finanztest: Was ist eigentlich ein Mangel und was ist lediglich Verschleiß?

May: Das kann man leider nie pauschal sagen, es kommt auf Fabrikat und Alter des Autos an. Der ADAC plant deshalb die Veröffentlichung eines Beispielkatalogs für verschiedene Modelle. So können Käufer die Erfolgsaussichten eines Rechtsstreits prüfen. Viele Händler lehnen Reklamationen tatsächlich vorschnell mit dem Argument „typischer Verschleiß“ ab.

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