Interview Teurer sonniger Süden

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Interview - Teurer sonniger Süden

Immobilien in Spanien sind derzeit günstig. Doch viele wissen nicht, dass die Steuerbelastung viel höher ist als in Deutsch­land, erklärt Jörg Hörauf, Steuerberater in Barcelona.

Womit muss ich rechnen, wenn ich eine Finca in Spanien kaufen will?

Jörg Hörauf: Beim Kauf werden rund 8 Prozent Grund­erwerb­steuer auf den Kauf­preis fällig. Es ist geplant, diese Steuer 2013 auf 10 Prozent zu erhöhen. Dazu kommen Kosten für Notar und Grund­buch­eintrag in Höhe von etwa 2 Prozent des Kauf­preises.

Muss ich weitere Steuern zahlen, wenn ich das Haus selbst nutze?

Jörg Hörauf: Ja, das spanische Finanz­amt verlangt nicht nur von Vermietern Einkommensteuer, sondern auch von Selbst­nutzern. Sie müssen 24,75 Prozent von 1,1 bis 2 Prozent des Kataster­werts zahlen. Der Kataster­wert ist gewöhnlich viel geringer als der Kauf­preis, aber je nach Wert kann die Steuer einige tausend Euro betragen. Wer nicht zahlt und Mahn­schreiben ignoriert, dem droht schlimms­tenfalls die Zwangs­versteigerung. Zudem verlangt die spanische Kommune Grund­steuer von rund 1 Prozent des Kataster­wertes. Oben­drauf kann seit 2012 eine Vermögen­steuer kommen.

Wird die Steuer verrechnet?

Jörg Hörauf: Ja, die Einkommensteuer für Vermieter und Selbst­nutzer rechnet das deutsche Finanz­amt an.

Was passiert, wenn ich verkaufe?

Jörg Hörauf: Verkaufen Sie die spanische Finca mit Gewinn, müssen Sie in Spanien 21 Prozent Quellen­steuer zahlen, wenn Sie in Deutsch­land voll steuer­pflichtig sind. Die Steuer rechnet das deutsche Finanz­amt wie Quellen­steuer auf ausländische Kapital­erträge in Ihrer deutschen Steuererklärung an.

Und wenn ich eine Finca erbe?

Jörg Hörauf: Das ist häufig erheblich teurer als in Deutsch­land. Vermacht ein Vater seinem Sohn eine Finca in Spanien zum dortigen Steuer­wert von 800 000 Euro, will Spanien 195 272 Euro Erbschaft­steuer. Erben entfernte Verwandte oder Freunde, verdoppelt sich die Steuer auf 390 544 Euro. Da lohnt es sich, zu Lebzeiten gegen­zusteuern. Der Vater kann das Haus etwa seinem Sohn verkaufen und sich ein lebens­langes Wohn­recht sichern.

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