Interview Meldung

Hermann Neidhart, ADAC

Die Ferienzeit beginnt und viele europäische Nachbar­länder sind Ziel deutscher Autoreisender. Was sie dort in ­Sachen Bußgeld erwartet, zeigt die Tabelle rechts. Wichtige Details zur Bußgeldpraxis verrät Hermann Neidhart, ­Experte für Auslandsrecht vom ADAC.

Finanztest: In welchen Ländern werden Verkehrssünder sofort zur Kasse gebeten?

Neidhart: Bei zu hoher Geschwindigkeit werden besonders in den Benelux-Ländern und der Schweiz Bußgelder gleich vor Ort eingefordert. In Skandinavien gilt das auch für rote Ampeln. Die zu überfahren kostet in Norwegen 470 Euro.

Finanztest: Was passiert, wenn ich nicht sofort zahlen kann?

Neidhart: In Spanien wird der Fahrer schon mal zum Geldautomaten eskortiert, wenn er nicht genug Bargeld dabei hat. In anderen Ländern kann der Wagen bis zur Zahlung sichergestellt werden. Die Schweiz ist das einzige Land, in dem die Polizei nahezu flächendeckend Kreditkarten akzeptiert.

Finanztest: Wie wird noch bestraft?

Neidhart: Beim Falschparken im Stadtgebiet werden vielerorts Radklemmen benutzt. Alkohol am Steuer und extrem überhöhte Geschwindigkeit können zum Sicherstellen des Führerscheins und Fahrverbot führen. Punkte in Flensburg gibt ein Verstoß im Ausland aber nicht.

Finanztest: Muss ich einen Strafzettel, der nach dem Urlaub kommt, bezahlen?

Neidhart: Nur Bußgelder aus Österreich können derzeit hierzulande vollstreckt werden. Eine EU-weite Regelung ist aber in Arbeit. Deutsche Auslandssünder sollten in jedem Fall überlegen, ob sie wieder in das betreffende Land reisen. Alte Registereintragungen sind etwa in Holland und der Schweiz schnell abrufbar.

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