Interview Meldung

Finanzexperte Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen warnt vor Tricks mit angeblichen Null-Prozent-Kreditfinanzierungen beim Kauf auf Raten.

Die Werbung für Kauf auf Pump zu Null Prozent Zinsen nimmt massiv zu. Das klingt wie ein Superangebot.

Ist es aber nicht. Wir haben Baumärkte kontrolliert, große Kaufhäuser, Möbel- oder Elektrohändler. Und immer wieder stellten wir fest, dass zusätzliche Kosten entstehen.

Wie funktioniert das?

Zum Beispiel Ikea: Da tönte die Werbung „Zahl einfach später“ und „Null Prozent Zinsen“. Dann wurden aber je nach Laufzeit 19 bis 39 Euro Kontoführungsgebühr fällig. Rechnet man das in den Effektivzins ein, geht der bis 4,75 Prozent rauf. ProMarkt-Rewe verlangte 9 Euro Bearbeitungsgebühr, was zu ähnlichen Zinsen führt. Oder ein On­line-Musikshop: Wer dort ein Keyboard für 1 799 Euro kaufte, zahlte trotz „Null Prozent Effektivzins“ 3 Prozent mehr, also 1 850,99 Euro.

Solche Kosten müssen doch aber im effektiven Jahreszins stehen.

In den meisten Fällen schon. Deshalb hat der Verbraucherzentrale Bundesverband die Deutsche Bank abgemahnt. Die hatte über MediaMarkt und Saturn ihren Topkredit an den Mann gebracht. Da standen plötzlich 6,90 Euro „sonsti­ge Kosten“ in der Jahresabrechnung. Im Kreditvertrag war davon keine Rede.

Das Geschäft wird also mit zusätz­lichen Kosten gemacht?

Ja, vor allem mit Restschuldversicherungen. Bei Ikea kostete die bis zu 0,69 Prozent, monatlich! Übers Jahr konnte der Null-Prozent-Zins so locker ein Zehn-Prozenter werden. Dabei sind solche Policen meist völlig überflüssig.

Ärgerlich sind auch Prospekte, wo der Preis ganz klein steht, groß daneben aber die viel niedrigere Rate.

Das haben ProMarkt, Saturn und MediaMarkt so gemacht. Wir sehen darin einen Verstoß gegen die Preisangabenverordnung, nach der in Prospekten die Endpreise und nicht die Raten hervorzuheben sind. Immerhin: ProMarkt hat zugesichert, das künftig zu unterlassen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 317 Nutzer finden das hilfreich.