Interview Meldung

Dr. Sabine Miriam Grüsser-Sinopoli, Leiterin der Interdisziplinären Suchtforschungsgruppe Berlin.

Gefährlich: Wenn Kinder versuchen, Probleme am Rechner „wegzuspielen“.

Sie haben Sechstklässler nach ihrer PC-Nutzung befragt – was kam heraus?

80 Prozent der Kinder haben einen eigenen Computer. Sie chatten, schreiben E-Mails, sammeln Informationen, spielen und laden Musik herunter. Die Mehrheit zeigt dabei allerdings keine Auffälligkeiten, aber knapp zehn Prozent nut­­zen den Computer exzessiv. Drei Viertel davon sind Jungen.

Was heißt „exzessiv“?

Diese Kinder nutzen den Computer zweckentfremdet, nicht um zu spielen oder zu chatten, sondern um Stress abzubauen und Ärger zu vergessen. Meist haben sie selbst danach das Gefühl, zu viel gespielt zu haben, vergessen Verpflichtungen oder geraten in Streit mit der Familie. Dieses Verhal­ten ist gefährlich, da sie verlernen, sich mit Gefühlen auseinander zu setzen.

Wann sollten Eltern ihre Kinder vom Computer trennen?

Als auffällig wurde erachtet, wer mindestens zwei- bis dreimal pro Woche (Wochenenden ausgenommen) mindestens zwei Stunden spielt und die eben genannten Kriterien erfüllt. Sicher gibt es auch Kinder, die mehr und länger spielen, in unserer Studie aber nicht als exzessiv angesehen wurden, weil sie den Computer nicht zur Stressbe­wäl­ti­gung nutzen.

Wie können Eltern vorbeugen?

Generell sollten sie darauf achten, wofür und in welcher Stimmung ihr Kind den PC nutzt. Wesentlich ist auch, was das Kind sonst macht: Hat es Kontakt zu Freunden, geht es in den Sportverein? Eltern sollten ihr Kind beim Lösen von Problemen aktiv unterstützen und sein Selbstbewusstsein stärken.

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