Interview Streit mit dem Vermittler

15.02.2011
Interview - Streit mit dem Vermittler

Versicherungsombudsmann Professor Günter Hirsch schlichtet auch bei Ärger mit Maklern und Vertretern von Versicherungen, sofern es um die Vermittlung von Verträgen geht.

Auch für Ärger mit dem Versicherungsmakler oder dem Versicherungsberater ist der Ombudsmann zuständig. Seit wann gilt dies?

Hirsch: Bei Beschwerden über das Verhalten von Vermittlern, das einem Versicherungsunternehmen zuzurechnen ist, wird der Ombudsmann schon seit 2001 tätig. Vielen unbekannt ist meine Zuständigkeit für Beschwerden über Fehler bei der Vermittlung von Versicherungsverträgen, für die Makler und sonstige Vermittler persönlich einzustehen haben. Hier kann der Schlichter aktiv werden, sofern sich die Sachverhalte nach dem 22. Mai 2007 zugetragen haben.

Wer kann sich an Sie wenden?

Hirsch: Potenzielle Kunden oder Versicherte, die sich mit ihrem Versicherungsvertreter, Makler oder Berater streiten. Im Jahr 2009 gab es häufig Beschwerden über Falschberatungen. Außerdem ging es um die Kündigung bestehender und den Abschluss neuer Verträge, aber auch um die Vermittlung nicht gewünschter oder nicht passender Verträge.

Wie können Sie eingreifen?

Hirsch: Oft helfen wir durch Aufklärung. In einigen Fällen konnte aber auch der Vertrag rückabgewickelt werden oder der Vermittler hat sich an den finanziellen Mehraufwendungen des Versicherungsnehmers beteiligt. Vermittelnd eingreifen kann der Schlichter, wenn es um Verhaltensbeschwerden geht. Manche Beschwerden erledigen sich, wenn der Vermittler sich entschuldigt oder zusichert, ein kritisiertes Verhalten, wie unerwünschte Anrufe oder Werbe-E-Mails, zu unterlassen.

Wann werden Sie nicht tätig?

Hirsch: Geht es beispielsweise um die Schadensregulierung, ist die Vermittlerbeschwerde nicht das richtige Mittel.

Ist Ihre Entscheidung verbindlich?

Hirsch: Nein, der Schlichterspruch bei Vermittlerbeschwerden muss von keiner der beiden Seiten anerkannt werden. Viele halten sich jedoch an unsere Empfehlungen.

www.versicherungsombudsmann.de

15.02.2011
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