Interview Meldung

Steuerberater Andreas Lüdke, Mitinhaber der Kanzlei Mersch & Lüdke aus Rheine.

Nur wer ständig aufpasst, bekommt nach positiven Urteilen der Finanzgerichte Geld zurück. Diese Ungerechtigkeit will ein Steuerberater aus Rheine ändern.

Ihre Kanzlei klagt vor dem Finanzgericht Münster, künftig alle Steuerbescheide für vorläufig zu erklären.

Das ist absolut notwendig. Derzeit sind etwa 1 500 Verfahren vorm Bundesfinanzhof anhängig. Die muss der Steuerzahler kennen, wenn er von Urteilen profitieren will. Das heißt, er müsste sich durch 500 Seiten Steuerlatein kämpfen. Und ständig kommt Neues hinzu. Das schaffen selbst Steuerberater kaum, Normalbürger schon gar nicht.

Warum ist das denn so wichtig?

Nehmen Sie zum Beispiel das Ehegattensplitting, das für eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartner nicht gilt. Sie müssen ihr Einkommen wie Alleinstehende versteuern. Dagegen klagt derzeit ein Paar vorm Bundesverfassungsgericht. Wenn die Klage Erfolg hat, können nur Bürger Geld zurückfordern, die ihren Steuerbescheid offenhielten. Klar ausgedrückt: Herr Meier, der Einspruch eingelegt hatte, bekommt einige Tausend Euro erstattet. Sein Nachbar Müller erhält nichts, nur weil er von dem Verfahren nichts wusste.

Das dürfte Herrn Müllers Rechtsempfinden aber gewaltig widersprechen.

Sicher, und es kommt noch schlimmer: Wer Einspruch einlegte und den Bescheid offenhielt, sollte eigentlich nach einem positiven Ur­teil automatisch eine Erstattung erhalten. Das geschieht aber nicht immer. Mein eigener Bescheid hatte – wie Millionen andere – von 1990 bis 1995 einen Vorläufigkeitsvermerk zum Kinderfreibetrag. Dann gab es 2001 ein positives Urteil. Doch erst nachdem ich einen Antrag stellte, bekam ich 200 Euro für meine Tochter zurück. Wir haben das dann für Hunderte Mandanten durchgezogen. Aber wer nichts beantragte, bekam auch nichts.

Wie können sich Steuerzahler wehren?

Solange unser Verfahren nicht entschieden ist, kann der Einzelne wenig machen. Es lohnt sich aber, aufmerksam die Steuerberichte zu verfolgen. Wenn zum Beispiel „test“ über anhängige Verfahren be­richtet und rät, Einspruch einzulegen, sollte man das schleunigst tun.

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