Interview Meldung

Die Gewinnspiele im Fernsehen sind erlaubt, aber nur, wenn auch die Regeln eingehalten ­werden, sagt Axel Dürr von der Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten.

Sind diese oft dümmlichen Gewinnspiele am Ende nicht Abzockerei?

Den Eindruck könnte man durchaus gewinnen. Beanstandungen sprechen die Landesmedienanstalten monatlich aus. So ist es Pflicht, deutlich die Preise zu nennen, nicht allzu massiv zum Anrufen zu animieren und nachvollziehbare Lösungen anzubieten, die jeder im Lexikon finden kann. Es darf also nicht um eine „Automarke mit A“ gehen, die weder Audi noch Alfa ist, sondern nur eine Schrauberwerkstatt, die in keinem Nachschlagewerk steht.

„Beanstandungen“ – bedeutet das auch mal kräftige Geldstrafen?

Die Medienanstalten verhängen ständig Bußgelder. Allein 9Live musste seit Mitte 2009 rund 270 000 Euro zahlen. Die sind allerdings klar am häufigsten dran, andere folgen mit großem Abstand, etwa Super RTL, DSF oder RTL II.

Was kostet ein Anruf den Zuschauer?

Meist sind es 01379-Nummern. Die Gewinnspielsatzung sieht seit Mitte 2009 als Limit 50 Cent pro Minute vor bei Anrufen aus dem Festnetz. Vom Handy kann es deutlich teurer sein. Auch darauf muss der Sender hinweisen. Vorbildlich finden wir es, wenn die Lösung per SMS geschickt werden kann. Das darf bis 50 Cent kosten.

Oft sind die Fragen so simpel, dass jeder die Antwort weiß. Da erzielen TV-Sender schöne Zusatzeinnahmen.

Das ist sicher eine Erlösquelle, die vielleicht auch die Kosten für die Preise ­hereinbringt. Viel mehr geht es aber um Image und Kundenbindung. Und oft steht das Abstimmen im Vordergrund, etwa bei „Deutschland sucht den Superstar“. Da wollen die Zuschauer für ihren Favoriten voten.

Bei 9Live scheinen die Spiele schon das ganze Geschäftsmodell zu sein.

Das ist tatsächlich der Unterschied. Hier die Gewinnspiele, die nur wenige Minuten auf Sendung sind, etwa „Tor des Monats“. Da ist das Risiko, viel Geld zu vertelefonieren, niedrig. Darum dürfen schon Jugendliche ab 14 Jahren mitmachen. Und dann die Gewinnspielsendungen – die können stundenlang laufen und man kann viel öfter anrufen. Hier beträgt das Mindestalter 18 Jahre. Generell gilt: Wer mitmacht, sollte nie aus den Augen verlieren, dass die Chance auf einen Gewinn minimal ist.

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