Interview Meldung

Edda Müller, vzbv-Vorstand

Zahllose Verbraucher sitzen auf überteuerten Schrottimmobilien. Trotzdem hat der Bundesrat die Einführung ­effektiver Widerrufsrechte für Kunden verhindert. Ein Skandal, meint Edda Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverband e. V.

Finanztest: Was kritisieren Sie an der neuen gesetzlichen Regelung?

Edda Müller: Die vorgesehene Rückabwicklung nach einem Widerruf versagt in der Praxis. Die ursprüngliche Idee des Bundestags war besser: Danach hätten viele widerrufsberechtigte Käufer ihre Schrottimmobilie der Bank übertragen können, statt das Darlehen zurückzuzahlen. Auf Druck der Banken wird das nun aber die Ausnahme bleiben. Das sind Steine statt Brot für die Verbraucher.

Finanztest: Aber immerhin steht doch jetzt im Gesetz, dass man Kreditverträge widerrufen kann, wenn sie einem an der Haustür aufgeschwatzt wurden.

Edda Müller: Ja. Zwei Wochen lang. Gab es keine Belehrung über das Widerrufsrecht, sogar länger. Leider gilt jetzt aber auch: Die Bank kann dem Kreditkunden später eine Nachbelehrung schicken. Danach bleibt nur ein Monat für den Widerruf. Zu wenig für eine gründliche Prüfung, wenn die Nachbelehrung Jahre nach dem Kauf kommt. Das halte ich für unzulässig. Ursprünglich sollte der Widerruf unbefristet möglich sein, wenn nicht ordentlich informiert wurde.

Finanztest: Was würde Immobiliengeschädigten denn helfen?

Edda Müller: Ein echtes Recht zur Immobilienrückgabe, wenn Darlehen und Kaufpreis viel höher sind als der tatsächliche Immobilienwert. Wenn die Banken von versteckten Provisionen oder Gebühren im Kaufpreis wissen, sollten sie gezwungen sein, über den echten Wert einer Wohnung zu informieren.

Finanztest: Notare müssen über die Tragweite von Immobiliengeschäften aufklären. Ist das kein Käuferschutz?

Edda Müller: Nein, das ist eine Illusion. Zu oft gibt es zwischen Banken, Bauträgern und Notaren innige Beziehungen, die echte Aufklärung verhindern.

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