Interview Meldung

Winfried Hassemer ist seit Sommer 2010 Schufa-Ombudsmann. Er findet, dass die Schufa besser erklären muss, wie sie die Kreditwürdigkeit von Menschen berechnet.

Was können Sie für Menschen tun, die sich von der Schufa ungerecht behandelt fühlen?

Hassemer: Meine ersten Erfahrungen zeigen, dass ich mehr eine erklärende Funktion habe. Ein Schwerpunkt bei den Verbraucheranliegen sind die Schufa-Speicherfristen. Viele verstehen nicht, warum eine Forderung nach dem Ausgleich noch für weitere drei Jahre in ihrem Datenbestand der Schufa gespeichert bleibt. Außerdem wünschen viele Beschwerdeführer eine vorzeitige Löschung von negativen Einträgen auf Kulanzbasis. Das aber ist nicht möglich.

Was raten Sie Menschen, die Probleme damit haben, wie die Schufa ihre Kreditwürdigkeit einstuft?

Hassemer: Ich rate ihnen, mit der Bank zu reden. Sie sollten klar machen, wie viel Geld sie verdienen und was ihr Vermögen ist. Die Schufa und ihr Scoring sind zwar wichtige Informanten bei der Kreditvergabe, doch am Ende entscheidet eine Bank meist mit einem eigenen Score.

Was muss die Schufa verbessern?

Hassemer: Die Schufa kann das Scoringverfahren, mit dem sie die Kreditwürdigkeit von Menschen berechnet, besser erklären. Ein errechneter Score ist zwar in sich statistisch schlüssig und mathematisch wahr. Aber viele Verbraucher, die dazu Fragen haben, bekommen nur allgemein gehaltene Hinweise. Hier kann die Schufa mit Verbesserungen ansetzen.

Wir haben festgestellt, dass bei einem Drittel der Datensätze Daten fehlen, veraltet oder falsch sind. Kann die Schufa überhaupt korrekte Scores errechnen?

Hassemer: Bislang fiel mein Schiedsspruch nur bei einem Dutzend Anliegen zugunsten des Verbrauchers aus. Die von Ihnen angeführten Defizite in der Datenqualität sehe ich nicht. Trotzdem stellt sich die Frage nach der Aussagefähigkeit eines Scores. Um sie zu steigern, müsste die Schufa auch Immobilienbesitz, Einkommen oder Vermögen heranziehen. Das aber ist eine datenschutzrechtliche Gratwanderung.

Den Ombudsmann erreichen Sie unter www.schufa-ombudsmann.de.

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