Interview Meldung

Stephanie Pallasch, Bankexpertin der Stiftung Warentest.

Massiv werben Banken mit Super-Zinsen für Raten­kredite. Doch das Angebot, das der Kunde in der Filiale bekommt, ist meist deutlich teurer.

Die Citibank warb neulich für einen „Kredit zum Wohlfühlen“ zu 3,49 Prozent. Das klingt doch supergünstig.

Sicher, aber der Kredit musste in einem Jahr getilgt werden und war auf 3 000 Euro begrenzt. Das sind Monatsraten von über 250 Euro. Wer die zahlen kann, braucht meist keinen Kredit. Solche Werbehits sind eher Lockangebote, um den Kunden in die Filiale zu holen. Dort werden ihm dann Kredite mit wesentlich höheren Zinsen verkauft.

Wie das?

Da heißt es rigoros: „Ihre Bonität ist schlecht“ und schon zahlen Sie mehr. Zum Beispiel sollte einer unserer Testkunden statt der 8,9 Prozent aus der Werbung der GE Money Bank plötzlich fast 13 Prozent zahlen.

Das war bestimmt kein Wohnungsloser mit Schulden und negativem Schufa-Eintrag.

Sicher nicht. Schlimm ist, dass völlig unklar bleibt, wie die Banken die Zahlungsfähigkeit ermitteln. Selbst Kunden mit regelmäßigem Einkommen und fester Arbeit bekommen oft die teureren Angebote.

Auf den angepriesenen Effektivzins kann man sich also gar nicht verlassen?

Nein, vor allem deshalb nicht, weil der Kunde oft auch gleich eine Restschuldversicherung abschließen soll. Sie springt bei Tod und/oder Arbeitslosigkeit ein. Die Beiträge fließen aber nicht in den Effektivzins ein. So bekam eine Testkundin bei der Citibank ein Angebot über 15,2 Prozent. Tatsächlich hätte sie 24,4 Prozent zahlen müssen.

Unglaublich. Wie kann der Kunde sich dagegen wehren?

Indem er Banken wählt, die auf so eine Versicherung verzichten. In unserem Test waren das zum Beispiel Postbank und Hamburger Sparkasse. Viele Kunden haben ohnehin eine Lebensversi­cherung. Und falls nicht, ist es viel billiger, separat eine Risikolebenspolice abzuschließen.

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