Interview Meldung

Jürgen Dax ist Geschäftsführer des Bundesverbands Textileinzelhandel.

Zwar ist die gesetzliche Regelung gefallen, aber nach wie vor räumen viele Händler so ihre Saisonware aus.

Offiziell gibt es den Sommer-Schlussverkauf gar nicht mehr. Doch in vielen Ladenpassagen sieht man jetzt wieder die SSV-Schilder.

Abgeschafft wurden vor zwei Jahren ja nur die gesetzlichen Beschränkungen. Seitdem kann jeder heruntersetzen, wann und was er will.

Und das passiert immer noch zur selben Zeit?

Ja, es macht Sinn, wenn die Händler in einer Stadt oder Ladenpassage den Schlussverkauf gemeinsam starten. Wir empfehlen als Verband regelmäßig einen Starttermin, in diesem Jahr den 30. Juli, also den letzten Montag des Monats, wie früher. Einige Händler fangen aber schon vorher an. Das hängt auch mit den Ferienterminen zusammen: Wo der Tourismus stark ist, wartet man, bis die Urlauber kommen. Anderswo wird noch rasch verkauft, bevor alle Kunden in die Ferien fahren.

Mancherorts scheint der Schlussverkauf heute sogar noch stärker zu sein als früher.

Richtig. Bisher nutzte vor allem der Textilhandel den Schlussverkauf. Schon etwas weniger ging es um Schuhe, Sportartikel und Haushaltswaren. Heute hängen sich auch Baumärkte oder Möbelhäuser dran. Das  wird zu einer groß angelegten Marketingaktion.

Für die dann extra Waren eingekauft werden, um die Grabbeltische zu füllen?

Eher nicht. Das war in den 80er Jahren so, als es vor allem um den Preis ging. Heute wollen die Kunden Schnäppchen bei einer großen Marke oder bei Qualitätsware machen. Im Normalfall haben die Händler auch genug Ware da, die noch raus muss. Aber das gilt auch für die Vorlieferanten. Daher kann es sein, dass ein Händler eine Partie günstiger Hemden gerade passend zum Schlussverkauf bekommt.

Um wie viel gehen denn die Preise herunter?

Meist etwa 30 Prozent, mitunter auch 50 Prozent. Wo es noch mehr ist, kann das ein seltener Ausreißer sein. Aber da sollte der Kunde schauen, ob der durchgestrichene Preis nicht doch ein Mondpreis ist.

Und wo können Verbraucher in diesem Jahr am besten Schnäppchen machen?

Bei Kleidung für die Übergangszeit. Sie hat sich eher schlecht verkauft, weil es schon so früh sehr warm war. Also leichte Mäntel oder Outdoorjacken. Die kann der Kunde im Herbst auch noch gut anziehen.

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