Interview Meldung

Alexander Wiech, Sprecher des Verbandes Haus & Grund Deutschland, rät Hauseigentümern und Mietern, im Winter die Pflicht zum Schneeräumen ernst zu nehmen.

Wenn es schneit, können Berufstätige nicht mal eben nachhause fahren und Schnee schippen. Sind sie dennoch dazu verpflichtet?

Ja. Fast alle Städte und Gemeinden legen fest, dass die Grundeigentümer für den Winterdienst zuständig sind. Wer berufstätig ist, muss eine Vertretung beauftragen oder eine Firma.

Man könnte auch ein Schild aufstellen: „Betreten auf eigene Gefahr“.

Das reicht auf keinen Fall. Denn damit wird nicht die Pflicht erfüllt, die Wege frei zu halten. Sie besteht weiterhin.

Rund um die Uhr?

Nein, niemand muss morgens um 5 Uhr aufstehen, damit der Zeitungsjunge freie Bahn hat. In aller Regel reicht es, zwischen 7 und 20 Uhr zu kehren, an Wochenenden ab 9 Uhr, also wenn nicht nur vereinzelt Leute unterwegs sind. Tagsüber muss man auch nicht alle fünf Minuten ran, sondern darf abwarten, bis der Schneefall nachlässt.

Reicht es, den Gehweg zu kehren oder gehört die Straße mit dazu?

Es geht um den Geh- und den Radweg, aber auch den Weg zum Haus, sodass zum Beispiel der Postbote bis zum Briefkasten kommt. Gehört in einem Mietshaus ein Parkplatz dazu, ist auch der Weg dort freizuhalten. Die meisten Kommunen sehen 80 bis 120 Zentimeter Breite vor, sodass zwei Fußgänger aneinander vorbeikommen. Es gibt aber Ausnahmen, so verlangt Berlin zum Beispiel 150 Zentimeter.

Stehen auch Mieter in der Pflicht?

Ja, wenn das im Mietvertrag vereinbart wurde. Steht das nur in der Hausordnung, wäre es nur wirksam, wenn sie Teil des Mietvertrags ist. Aber wenn der Mieter sie erst später erhält oder wenn sie nur im Hausflur hängt, wäre das eine nachträgliche Vertragserweiterung, die er nicht hinnehmen muss.

Wer haftet, wenn doch jemand stürzt und sich verletzt?

Der, den die Streupflicht trifft. Wer eine Firma beauftragt, kann die Haftung auf sie übertragen. Wer aber im Urlaub die Nachbarn bittet, muss selber einstehen, wenn die das Räumen vergessen. Deshalb sollte jeder eine Haftpflichtversicherung haben.

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