Interview Meldung

DSW-Pressesprecher Jürgen Kurz

Die Infomatec AG hatte 1999 in einer Börsenmitteilung (Ad-hoc-Mitteilung) mit einem Auftrag im Wert von 55 Millionen Mark geprahlt. Die Meldung war falsch. Ein Aktionär, der wegen der Mitteilung Aktien gekauft hatte, klagte mit Erfolg (Bundesgerichtshof, Az. II ZR 402/02). Er bekommt den Kaufpreis von zirka 46 500 Euro zurück und darf die fast wertlosen Aktien zurückgeben. Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz bewertet das Urteil.

Finanztest: Hilft das Infomatec-Urteil auch anderen Anlegern, die durch Ad-hoc-Mitteilungen getäuscht wurden?

Kurz: Nur bedingt. Auch künftig müssen Anleger zwei große Hürden überwinden, wenn sie von Vorständen wegen falscher Ad-hoc-Mitteilungen Schadenersatz wollen. Sie müssen nachweisen, dass sie beim Aktienkauf auf die Richtigkeit der Ad-hoc-Mitteilung vertraut haben und dass der Vorstand mit den falschen Angaben die Anleger schädigen wollte.

Finanztest: Wie beweise ich das?

Kurz: Das ist nicht einfach. Anleger müssen plausibel erklären, dass sie die Ad-hoc-Mitteilung gekannt haben. Wenn es keinen zeitlichen Zusammenhang zwischen Mitteilung und Aktienkauf gibt, können sie es direkt vergessen. Der siegreiche Kläger hatte Infomatec-Aktien zwei Monate nach der falschen Mitteilung gekauft. Ein Aktionär, der erst neun Monate danach gekauft hatte, ging vor dem Bundesgerichtshof leer aus.

Finanztest: Haften die Vorstände einer Aktiengesellschaft jetzt automatisch in den ersten zwei Monaten nach einer Ad-hoc-Mitteilung für falsche Angaben?

Kurz: Nein, eben nicht. Jeder Einzelfall muss gesondert betrachtet werden. Durch Quartalszahlen, die das Unternehmen zum Beispiel kurz nach der Ad-hoc-Mitteilung öffentlich gemacht hat, kann ein Zusammenhang zwischen Kauf und falscher Ad-hoc-Mitteilung auch schon nach einem Monat wieder zerstört sein.

Finanztest: Können Aktionäre, die in ähnlichen Fällen Prozesse erfolglos geführt haben, ihre Fälle wieder aufrollen?

Kurz: Nein. Jedenfalls dann nicht, wenn die Frist für eine Anfechtung des Urteils abgelaufen ist.

Finanztest: Was raten Sie anderen Aktionären von Unternehmen, die falsche Ad-hoc-Mitteilungen veröffentlicht haben?

Kurz: Bloß nicht mit einer vorschnellen Klage gutes Geld schlechtem hinterherwerfen. Wer rechtsschutzversichert ist, sollte seine Versicherung fragen, ob sie die Kosten einer Klage übernimmt.

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