Interview Meldung

Nicht jeder Urlauber braucht eine Reiserücktrittsversicherung. Wer aber eine abschließt, der sollte auch aufs Kleingedruckte achten, rät Betina Chill, Expertin der Stiftung Warentest.

Wer eine Pauschalreise bucht, bekommt im Reisebüro gleich auch eine Rücktrittsversicherung angeboten. Ist das ein guter Rat?

Allenfalls bei teuren Reisen oder bei Familienurlaub mit Kindern, weil da große Summen zusammenkommen. Letzten Endes ist es eine Frage der persönlichen Risikobereitschaft: Wer damit leben kann, zum Beispiel 1 000 Euro umsonst ausgegeben zu haben, weil er den Urlaub krank im Bett verbringt, braucht so eine Police nicht.

Versprochen wird oft „Vollschutz“.

Unter Vollschutz oder Topschutz verstehen die Versicherer, dass nicht nur – wie beim Basisschutz – versichert ist, wenn der Kunde die Reise vor Beginn absagt, sondern auch, wenn er sie vorzeitig abbrechen oder später heimreisen muss als geplant. Zum Beispiel wenn zuhause eingebrochen wurde.

Was zahlt die Versicherung dann?

Bei Absage vor Reisebeginn die Stornokosten, sonst die zusätzlichen Kosten. Wer eine zweiwöchige Kreuzfahrt schon nach einer Woche abbrechen muss, bekommt die Urlaubsleistungen erstattet, die er für die entgangene Woche schon bezahlt hat, außerdem die Zusatzkosten des Rückflugs. Teils wird ein Selbstbehalt abgezogen, oft bis 20 Prozent der Schadenssumme.

Da gibt es doch sicher auch Haken.

Streit gibts vor allem, wenn ein Kunde wegen einer Erkrankung storniert, mit der er rechnen musste. Zum Beispiel Rückenleiden: Da hatte jemand schon vor der Buchung Beschwerden und war auch in ärztlicher Behandlung. Absagen musste er die Reise dann, weil ihn ein Bandscheibenvorfall erwischte. Der Versicherer meinte, damit habe er rechnen müssen. Das Oberlandesgericht Koblenz aber gab dem Kunden recht. Ganz wichtig ist, dass der Kundenicht lange wartet, sondern gleich storniert, wenn das Problem auftaucht.

Und was kostet die Police?

Gute Verträge für eine 1 500-Euro-Reise gibt es für rund 50 bis 60 Euro.

Auch Airlines bieten solche Policen?

Achtung, da ist der Schutz oft abgespeckt, bei Ryanair etwa nach irischem Recht – mit vielen Einschränkungen.

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