Interview Meldung

Professor Dr. Peter Derleder, Universität Bremen.

Einige große Elektronikmärkte hebeln die Zwei-Jahres-Frist aus.

test: Verbraucher be­schweren sich, sie würden abgewim­melt, wenn sie in Elektro­nikmärkten Mängel reklamieren. Nach sechs Monaten müsse der Kunde beweisen, dass ein Produktionsfehler vorliegt.

Dr. Derleder: Grundsätzlich gibt es zwei Jahre Gewährleistung. Doch nur in den ersten sechs Monaten gilt automatisch die Vermutung, dass die Ware von Anfang an mangelhaft war. Danach dreht sich die Beweislast: Dann muss der Kunde praktisch beweisen, dass nicht er selbst den Schaden verursacht hat.

test: Wie soll das gehen, wenn der DVD-Spieler erst nach acht Monaten streikt?

Dr. Derleder: Da kann im Grunde nur ein Sachverständiger helfen. Doch das ist teuer. Und falls es später zum Prozess kommt, ist ein privat in Auftrag gegebenes Gutachten ohnehin nicht maßgeblich. Natürlich kann der Kunde Klage erheben. Das Gericht wird dann ein Gutachten einholen, doch dafür muss er einen Vorschuss zahlen. Etwas preiswerter ist es, wenn der Kunde ein selbstständiges Beweisverfahren des Gerichts einleitet, in dem ein Sachverständiger vorsorglich die Schadensursache klärt. Aber das wird der Normalverbraucher wohl nicht ohne Anwalt hinbekommen.

test: Aber dann nützt dem Normalkunden die zweijährige Gewährleistung in der Praxis nichts und wir sind wieder bei der alten sechsmonatigen Frist.

Dr. Derleder: Bei der alten Frist war der Kunde von Anfang an in der Beweispflicht. In­sofern ist die neue Regelung ein Fortschritt. Und die Verlängerung nutzt immerhin den Kun­den, die entschlossen sind, die Schadensur­sache zu klären und das Prozessrisiko zu tragen.

test: Einige Märkte bieten an, die Ware gegen 30 Euro zu untersuchen, wenn Kunden nach Ablauf der ersten sechs Monate reklamieren. Ist das zulässig?

Dr. Derleder: Zulässig schon, aber nur wenn klar ist, dass der Kunde dieses Geld zurückbekommt, falls der Fehler schon beim Kauf vorhanden war. Im Übrigen ist mit einer gewissen Einseitigkeit der Untersuchung durch den Händler zu rechnen. Ich würde eher von einem solchen Auftrag abraten.

test: Dann kann der Durchschnittskunde also nicht viel machen?

Dr. Derleder: Er sollte auf jeden Fall möglichst früh reklamieren. Eventuell kann er den Verkäufer etwas unter Druck setzen, indem er Beweise dafür anbietet, die Ware stets sachgerecht genutzt zu haben. Dafür kann er notfalls auch Angehörige als Zeugen vernehmen lassen. Wenn sie seine Version bestätigen, kann sich das Gericht auf den Standpunkt stellen, dass die Beweislast auf den Verkäufer übergeht.

Es bleibt aber dabei, dass die längere Verjährungsfrist praktisch nur den Käufer schützt, der die Kosten nicht scheut, sich auch gerichtlich zu wehren.

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