Interview Meldung

Prof. Dr. Gert G. Wagner

Nur ein kleiner Teil der Hochwasserschäden war versichert. Prof. Dr. Gert G. Wagner plädiert deshalb für ­eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden. Er ist Forschungsdirektor am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und Mitglied des Wissenschaft­lichen Beirats des Verbraucherschutzministeriums.

Finanztest: Warum eine Pflichtversicherung? Wer sich nicht freiwillig versichert, muss eben die Folgen tragen.

Wagner: Nein, die Folgen tragen wir alle. Denn die staatlichen Hilfen für die Hochwasseropfer werden mit Steuergeldern finanziert. Und wegen dieser Hilfen, die jetzt niemand verweigern kann und will, wurden längst geplante Steuererleichterungen für alle Bürger verschoben.

Finanztest: Vielen Menschen droht aber gar kein Hochwasser. Was sollen die mit einer Versicherung?

Wagner: Ihnen können andere Elementarschäden drohen wie Sturm, Hagel, Starkregen oder sogar Erdbeben. Auch diese Schäden wären im Versicherungsschutz eingeschlossen.

Finanztest: Können Häuser, die fast jedes Jahr unter Wasser stehen, überhaupt versichert werden? Hochwasser ist doch hier kein versicherbares Zufallsereignis mehr, und Menschen in extrem gefährdeten Gebieten bekommen schon jetzt keine Police.

Wagner: Aber die Schadenshöhe ist ein Zufallsereignis. So hängt der Schaden beispielsweise davon ab, wie Öltanks gesichert werden. Aufgeschwemmte Tanks haben beim Pfingsthochwasser 1999 in Neustadt an der Donau den Schaden vervierfacht. Auch könnte man sensible Anlagen wie Elektrikanschlüsse vom Keller in höher gelegene Etagen verlegen, um Hochwasserschäden zu begrenzen.

Finanztest: Zu solchen Umbauten ­können Sie die Menschen aber nicht zwingen.

Wagner: Wer sein Haus nicht bestmöglich gegen Hochwasser sichert, würde bei einer Pflichtversicherung extrem hohe Beiträge zahlen; wer sein Haus optimal schützt, zahlt niedrigere Beiträge.

Dieser Artikel ist hilfreich. 290 Nutzer finden das hilfreich.