Interview Meldung

Rechtsanwalt Hans Jürgen Gebhardt

Wer beim Einparken ein fremdes Auto beschädigt, muss sich rasch beim Halter melden. Im Interview: Rechtsanwalt Hans Jürgen Gebhardt. Er leitet die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht beim Deutschen Anwaltsverein.

Reicht es, einen Zettel mit der eigenen Adresse an die Scheibe zu klemmen?

Interview Meldung

Auf keinen Fall. Da könnte jeder behaupten, er habe einen Zettel hinterlassen. Oft wird dann doch keiner gefunden.

Also warten, bis man Wurzeln schlägt?

Bei den üblichen Parkschäden reicht nach herrschender Rechtsprechung eine Wartepflicht von ungefähr 20 Minuten. Danach darf der Verursacher wegfahren. Er muss sich aber auf jeden Fall unverzüglich beim Geschädigten melden.

Den kennt er doch aber meist gar nicht.

Er hat das Kennzeichen, und wenn er bei der Zulassungsstelle anruft und sagt, wofür er die Daten braucht, bekommt er sie auch. Unverzüglich bedeutet übrigens nicht sofort. Ist der Schaden mitten in der Nacht passiert, muss man den Geschädigten nicht aus dem Bett holen. Dann reicht die Information am nächsten Morgen. Aber Eile bleibt geboten.

Man hat also nicht 24 Stunden Zeit, sich bei der Polizei zu melden?

Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Der Richter kann von Strafe absehen oder sie mildern, wenn sich der Schadenverursacher innerhalb von 24 Stunden gemeldet hat. Dafür gelten aber weitere Voraussetzungen. Bei einem Schaden über 1 300 Euro droht aber auch dann Führerscheinentzug, und welcher Laie kann die Schadenhöhe so genau beurteilen? Auch geringere Schäden werden bestraft. Außerdem geht es nicht vorrangig um eine Meldung bei der Polizei; sondern beim Geschädigten. Erst wenn der nicht erreichbar ist, muss der Unfallverursacher die Polizei informieren, um straffrei zu bleiben.

Welche Konsequenzen drohen sonst?

Bei einer Verurteilung wegen Unfallflucht mit einem Schaden über 1 300 Euro ist die Fahrerlaubnis mindestens neun Monate weg, die Vollkasko zahlt nichts und die Haftpflichtversicherung holt sich rund 2 500 Euro Regress vom Verursacher.

Springt die Verkehrsopferhilfe bei Un­fall­flucht ein?

Nein, die zahlt nur bei schweren Personenschäden und das dürfte bei einem üblichen Parkplatz-Malheur kaum der Fall sein.

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