Interview Meldung

Carola Elbrecht

Das letzte Monopol der Telekom ist gefallen. Seit dem 24. April können Telekom-Kunden auch im Ortsnetz durch eine Vorwahl das Gespräch über einen Billiganbieter ­führen (Call-by-Call, siehe Telefonnavigator). Finanztest sprach mit Carola Elbrecht, Expertin für Telekommunikation des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv).

Finanztest: Nicht alle Call-by-Call-Vorwahlen sind in ganz Deutschland nutzbar. Woran liegt das?

Elbrecht: Die Call-by-Call-Anbieter müssen das Netz der Telekom nutzen. Dieses Netz hat 475 Knotenpunkte. Damit ihre günstige Vorwahl deutschlandweit funktioniert, müssen sie an jedem Punkt eine Verbindung schaffen. Das lohnt sich gerade für kleine Telefongesellschaften nicht. Die Verbraucher haben daher langfristig in großen Städten mehr Anbieter zur Auswahl als auf dem Land.

Finanztest: Worauf muss man bei der Anbieterauswahl achten?

Elbrecht: Der Verbraucher sollte nicht nur Preise vergleichen, sondern auch die Abrechnungstakte in Augenschein nehmen. Derzeit variieren sie zwischen 1 Sekunde und 1 Minute. Wer 70 Sekunden telefoniert, zahlt also beim 1-Sekunden-Takt auch nur seine 70 Sekunden, beim Minutentakt hingegen 120 Sekunden.

Finanztest: Mit welchen Preisen für das Telefonieren im Ortsnetz rechnen Sie langfristig?

Elbrecht: Die Kampfpreise von derzeit 1 Cent pro Minute rund um die Uhr, mit denen etwa Tele 2 an den Start gegangen ist, werden bald vom Markt verschwinden. Denn sie decken nicht mal die Kosten der Call-by-Call-Firmen. Sie müssen für jede Gesprächsminute mindestens 1,1 Cent an die Telekom bezahlen, ab Juli sogar bis zu 1,7 Cent. Die Firmen werden eine Mischkalkulation machen und für einige Tageszeiten günstigere Tarife als die Telekom anbieten, aber auch teurere, mit denen sie Geld verdienen. Mit den billigen Tarifen werden sie werben. Ab 9. Juli ist es dann auch möglich, durch eine feste Voreinstellung Ortsgespräche über eine andere Telefongesellschaft zu führen. Die Billigvorwahl wird dann bei der Telekom gespeichert und bei jedem Gespräch automatisch mit­gewählt.

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