Interview Meldung

Per Internet soll eine Scheidung billiger sein, versprechen einige Onlineportale. Eva Becker, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht im Deutschen Anwaltverein, sieht das anders.

Eine Scheidung möglichst billig, ist da das Internet ein Tipp?

Eher nicht, wenn es darum geht, Geld zu sparen. „Online-Scheidung“ bedeutet nur, dass das Paar per Internet mit dem Rechtsanwalt kommuniziert, anstatt in die Kanzlei zu gehen. Der Rest des Verfahrens bleibt gleich. Vor Gericht müssen die Partner persönlich erscheinen, sofern dies angeordnet wird.

Kein Unterschied bei den Kosten?

In der Regel nicht. Grundlage ist der Gegenstandswert, und den setzt das Gericht fest. Daran bemisst sich das Anwaltshonorar, das wiederum mindestens den Sätzen im Rechtsanwaltsvergütungsgesetz entsprechen muss. Anwälte dürfen zwar mehr nehmen, aber die meisten verzichten darauf. Online ist es daher nicht billiger.

Obwohl man beim Onlineanwalt per Mail Fragen stellen kann?

Mailen oder anrufen können Paare auch in der Kanzlei vor Ort. Und da haben sie den Vorteil, dass sie mehrere Termine machen können, ohne mehr zu bezahlen. Das Honorar bemisst sich ja nicht nach Stunden.

Einige Onlinekanzleien werben damit, sie könnten den Streitwert um 20 oder 30 Prozent senken.

Das ist eigentlich nur vorstellbar, wenn der Anwalt nicht das wahre Einkommen der Mandanten angibt, sondern ein niedrigeres. Oder wenn er Vermögen verschweigt. Möglich ist auch ein Antrag auf Streitwertreduzierung bei Gericht, aber den kann jeder andere Anwalt auch stellen. Nur bleiben solche Anträge meist erfolglos.

Geht es online denn wenigstens schneller?

Auch nicht, denn der Verfahrensgang ist wie bei einer üblichen Scheidung. Dem Gericht ist es egal, ob Sie den Anwalt online konsultieren oder in der Kanzlei.

Wie kann man denn Kosten sparen?

Bei einer einvernehmlichen Scheidung reicht es, wenn nur ein Partner einen Anwalt nimmt. Der andere sollte dann aber bei einem anderen Anwalt zumindest eine Erstberatung machen, denn man kann vieles anders machen als das Gesetz, etwa bei Versorgungsausgleich, Unterhalt oder Sorgerecht.

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