Interview Meldung

Bernd Huppertz ist Pressereferent bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Wenn innerhalb der zweijährigen Gewährleistung etwas kaputtgeht, müssen Reparatur oder Austausch kostenlos sein. Dennoch verlangen viele Händler eine saftige Nutzungsentschädigung. Dürfen sie das?

Geld kassieren für ein Ersatzgerät – ist das ein Versuch, die gesetzliche Gewährleistung auszuhebeln?

Wir sehen das so. Wenn ein Kunde einen PC zurückbringt, der nach einem Jahr den Geist aufgibt, der Händler den PC gegen ein Ersatzgerät austauscht und dann eine Nutzungsentschädigung kassiert, ist das eben nicht kostenlos.

Wie hoch sind denn die Nutzungsentschädigungen?

Das kommt auf das Gerät an, meist 5 bis 15 Prozent des Kaufpreises. Der Bundesverband Technik des Einzelhandels hat als Empfehlung eine Tabelle erstellt. Danach kostet es bei einer 500 Euro teuren Waschmaschine nach einem Jahr 50 Euro. Bei einem Fernseher zum selben Preis sind es 71,43 Euro. Richtig teuer wird es bei Computern mit 166,67 Euro.

Halten sich alle Händler an diese Tabelle?

Gott sei Dank nicht. Wir haben eine Stichprobe bei zehn Händlern ge­macht. Positiv stachen Amazon, Karstadt, Kaufhof sowie einige Filialen von Saturn und Media Markt heraus. Dort würden Kunden ein neues Gerät ohne Nachzahlung bekommen. Aber Conrad Electronic, Neckermann, Otto-Versand, ProMarkt und Quelle verlangten bei unserer Umfrage ein Nutzungsentgelt.

Mit welcher Begründung?

Es heißt, der Kunde habe das Gerät ja bis zum Auftreten des Defekts voll nutzen können. Wenn er dann ein Ersatzgerät bekommt, sei er im Vorteil. Legt man beispielsweise eine Lebensdauer von zehn Jahren zugrunde, hätte ein Kunde, der nach einem Jahr ein Ersatzgerät erhält, eine elfjährige Nutzungsdauer. Außerdem ist das Gewährleistungsrecht an dieser Stelle nicht ganz konse­quent: Es gesteht dem Händler nämlich dann eine Nutzungs­entschädigung zu, wenn der Kunde weder eine Reparatur noch ein Austauschgerät will, sondern gleich ganz vom Kauf zurücktritt.

Das gilt also nur, wenn er die Ware zurückgibt und sein Geld zurückverlangt. Aber meist ist er ja mit dem Ersatz zufrieden. Wie kann er sich da gegen die Zahlung wehren?

So richtig derzeit nicht. Aber wir sind optimistisch: Vor dem Europäischen Gerichtshof ist eine Klage gegen Quelle anhängig. Ein Urteil wird es wohl erst in einem Jahr geben. Bis dahin sollten Kunden unter Vorbehalt zahlen.

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