Interview Meldung

Dr. med. Hans-Michael Strahl ist Landesvorsitzender Nordrhein des Deutschen Berufsverbandes der HNO-Ärzte (Düsseldorf) und hat mit Experten zur Schulaktion "Take care of your ears" ein Programm zum bewussteren Hören entwickelt ("Hörschäden").

Wie erreichen Sie Jugendliche überhaupt?

Musikpädagogen und -therapeuten haben mit HNO-Ärzten eine Unterrichtsreihe entwickelt, die vor allem auf den erhobenen Zeigefinger verzichtet. Im Fach Musik werden die Schüler sensibilisiert und lernen, ihr Ohr als wertvolles, schützenswertes Organ zu erkennen. Diskothek und Rockkonzert werden nicht verteufelt. Es wird aufgerufen, sehr vorsichtig mit dem Organ Ohr umzugehen, ihm Pausen zu gönnen, es vor Überlastung zu schützen und zu begreifen, was man verliert, wenn die 20.000 feinsten Haarzellen im Innenohr irreparabel geschädigt werden.

Welche Altersgruppe sprechen Sie an?

Unsere Zielgruppe sind Zehn- bis Zwölfjährige. Sie sind für Neuerungen im Unterricht noch zu begeistern, gerade mit pfiffigen und emotionalen Mitteln. Um möglichst viele Bildungseinrichtungen für die Sache zu gewinnen, stehen inzwischen für 5.000 Schulen HNO-Ärzte und Hörakustiker zur Verfügung. Sie bieten Hörtests an, suchen das Gespräch mit Eltern.

Geht es allein um Aufklärung?

Nein. Wir erwarten vom Gesetzgeber eine Pegelbegrenzung für Walk- und Discmen, für Diskotheken, Fitnesscenter und Rockkonzerte, wie es in Frankreich, Österreich und der Schweiz schon üblich ist. Hilfreich könnten europäische Richtlinien werden. Wenn auch aus medizinischer Sicht die Untergrenze von Schädigungen des Gehörs durch Lärm bei 85 Dezibel liegt (Kreuzung zur Hauptverkehrszeit), plädiere ich für einen um 10 Dezibel (A) höheren Grenzwert (Fabrikhalle, etwas unterhalb einer Diskothek) als gewissen Kompromiss. In den Diskos dominiert eine Minderheit übrigens die Mehrheit: Nach einer Berliner Untersuchung wollen nur fünf Prozent der Jugendlichen Musik über 95 Dezibel (A) dröhnen hören.

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