Interview Meldung

Günter Hirsch, früherer Präsident am Bundesgerichtshof, kümmert sich um Beschwerden von Versicherten.

Wo sehen Sie das größte Problem zwischen Versicherern und Verbrauchern?

Ich fange zwar gerade erst an, aber eines hat sich mir bereits erschlossen: Die Versicherungsnehmer wenden sich häufig an den Ombudsmann, weil sie die Entscheidung des Versicherers nicht verstehen. Ein ganz großes Problem ist, dass Versicherungsprodukte oft für Verbraucher unverständlich sind.

Warum sollten sich Versicherungsnehmer an Sie wenden und nicht gleich vor Gericht ziehen?

Die Schlichtung beim Ombudsmann ist kostenlos. Wer überzeugt ist, dass er recht hat, prozessiert. Viele Verbraucher sind sich aber nicht sicher. Ihnen entstehen keine Kosten, wenn sie den Ombudsmann anrufen, und sie erhalten eine Entscheidung innerhalb weniger Wochen. Sind sie mit der Entscheidung nicht einverstanden, können sie immer noch zu Gericht gehen, Verjährungsfristen sind unterbrochen, solange das Verfahren beim Ombudsmann anhängig ist.

Für Unternehmen sind Ihre Entscheidungen bis zu einem Streitwert von 5 000 Euro bindend. Ist diese Grenze nicht zu niedrig?

Nein. Die Mehrzahl der Beschwerden – 80 Prozent – liegen im Bereich bis zu 5 000 Euro, und bis zu 80 000 Euro kann der Ombudsmann Empfehlungen aussprechen. Denen kommen die Versicherer in aller Regel nach und riskieren eher keinen Prozess.

Warum sind dann nicht alle Entscheidungen bindend?

Der Ombudsmann entscheidet rein nach Aktenlage. Er kann also keine Beweise erheben, wenn ein Fall strittig bleibt, weil zum Beispiel Aussage gegen Aussage steht. Bei höheren Streitwerten sind die weiter reichenden Erkenntnismöglichkeiten der Gerichte aber mitunter wichtig.

Kontakt: Beschwerden zu Versicherungen – Ausnahme: private Krankenversicherungen – sind möglich unter 0 180 4/22 44 24 (20 Cent / Anruf) und www.versicherungsombudsmann.de.

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