Interview Meldung

Dr. Wolfgang Arnold, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des BdB

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht hat eine Reform der Absicherung von Kreditrisiken in der EU vorgelegt (Basel II). Was das für die Kredite an Privatpersonen und Selbstständige bedeutet, erläutert Dr. Wolfgang Arnold vom Bundesverband deutscher Banken (BdB).

Finanztest: Was sind die wesentlichen Änderungen durch Basel II?

Arnold: Bislang müssen die Banken für fast jeden Kredit – unabhängig von seinem tatsächlichen Risiko – pro 100 ausgeliehene Euro 8 Euro Eigenkapital als ­Sicherheit vorhalten. Durch Basel II werden risikoärmere Kredite weniger Kapital binden als risikoreiche. Innerhalb der ­Basel-II-Vorgaben können Banken interne Verfahren zur Risikoklassifizierung, so genannte Rating- oder Scoringverfahren, zur Berechnung ihrer Eigenkapital­anforderungen anwenden.

Finanztest: Wie wirkt sich Basel II auf Privatkunden und Selbstständige aus?

Arnold: Nach wie vor ist bei der Bewertung des Risikos von Krediten die Kreditwürdigkeit des Kunden ausschlaggebend. Eine generelle Verteuerung von Privatkrediten ist zum derzeitigen Zeitpunkt nicht zu erwarten. Es wird aber zu einer stärkeren Differenzierung kommen. Je nach Bonität des Kunden gibt es dann verschieden hohe Zinsen für Kredite mit gleicher Kreditsumme und -laufzeit.

Finanztest: Wann werden sich die ­Neuerungen auf die Praxis auswirken? Die ­Citibank zum Beispiel macht die Vergabe von Ratenkrediten bereits jetzt vom Einkommen des Kunden abhängig.

Arnold: Um sich auf Basel II vorzubereiten, verwenden bereits heute immer mehr Banken moderne Verfahren zur ­individuellen Risikomessung bei ihren Kunden. Inwieweit die Banken – etwa wegen der schlechten Ertragslage bei den Privatkunden – ihre Konditionen den unterschiedlichen Risiken anpassen ­werden, muss man abwarten. Die ­Bestimmungen von Basel II müssen bis 2006 in nationales Recht umgesetzt sein.

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