Interview Meldung

Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK Deutschland Ulrike Mascher über die Folgen der Gesundheitsreform.

Künftig gilt für alle Krankenkassen ein einheitlicher Beitragssatz. Worin unterscheiden sie sich dann noch?

Rund 95 Prozent der Gesamtleistungen einer Krankenkasse sind gesetzlich vorgeschrieben. Nur für 5 Prozent können die Kassen unterschiedliche Versorgungsangebote machen, etwa indem sie Naturarzneimittel, Homöopathie oder spezielle Diabetesleistungen offerieren. Ein Unterscheidungskriterium könnte auch die Erhebung eines Zusatzbeitrags werden.

Ab wann werden die Kassen diesen Zusatzbeitrag verlangen?

Wir gehen davon aus, dass die Kassen 2009 versuchen werden, mit den ihnen zugewiesenen Mitteln auszukommen. Spätestens 2010 ist aber damit zu rechnen, dass die ersten ihre finanziellen Mittel durch einen Zusatzbeitrag aufstocken müssen.

Und die Leistungen?

Es ist zu erwarten, dass manche Kassen ihre Leistungen einschränken oder restriktiver bei der Gewährung von Krankenkassenleistungen vorgehen werden, zum Beispiel bei der Bewilligung von Rehamaßnahmen.

Wer sollte einen Wahltarif wählen?

Für Versicherte, die Interesse an speziellen medizinischen Versorgungsformen oder an bestimmten Medikamenten haben, könnte einer der neuen Wahltarife vorteilhaft sein. Vorsicht ist geboten bei Tarifen mit Selbstbehalt, da das individuelle Gesundheitsrisiko kaum einschätzbar ist. Außerdem sind Wahltarife häufig mit einer Bindungsfrist bis zu drei Jahren an den Tarif und die Krankenkasse gekoppelt, sodass der Versicherte während dieser Spanne die Kasse nicht wechseln kann.

Für wen ist der neue Basistarif einer privaten Kasse eine Alternative?

Die neuen Basistarife eignen sich für Privatversicherte, die sich ihre Prämien nicht mehr leisten können und in die gesetzliche Krankenversicherung etwa wegen ihres Alters nicht mehr zurückkehren können. Die Basistarife müssen aber mit dem Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung vergleichbar sein und dürfen nicht teurer sein als die Gesetzliche. Daher ist auch der Behandlungsstatus der eines gesetzlichen Patienten, die Kosten werden nicht wie bei einer privatärztlichen Behandlung erstattet.

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